Politik : Die Mauer soll weg

Doch will die zyprisch-griechische Regierung eine Annäherung an den Norden?

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Seit fast vier Jahren ist die Demarkationslinie, die quer durch die geteilte Mittelmeerinsel Zypern verläuft, durchlässiger geworden: im April 2003 öffneten die türkischen Zyprer einige der bis dahin abgeriegelten Verkehrswege in den Inselsüden. Seither können sich die beiden Volksgruppen auf der Insel, Griechen und Türken, wieder in beiden Teilen weitgehend frei bewegen. Doch die Öffnung eines weiteren Übergangs in der Inselhauptstadt Nikosia stößt jetzt auf Schwierigkeiten. Er betrifft die Ledra-Straße, eine belebte Einkaufsmeile im griechischen Süden Nikosias. Bislang endet sie an einer Mauer.

Aber der Plan stößt auf immer neue Schwierigkeiten. Ende 2005 bauten die türkischen Zyprer auf ihrer Seite der Demarkationslinie eine Fußgängerbrücke über die hier quer verlaufende Hermes-Straße – um den erwarteten Besucherverkehr zu erleichtern, wie es hieß. In Wirklichkeit ging es wohl darum, ungestörte türkische Militärpatrouillen auf der Hermes-Straße zu ermöglichen. Die griechischen Zyprer protestierten deshalb gegen das Bauwerk. Jetzt endlich gab der türkisch-zyprische Volksgruppenchef Mehmet Ali Talat Weisung, die Brücke abzureißen. Talat riskierte damit ein schweres Zerwürfnis mit den türkischen Militärs. Deren Generalstabschef Yasar Büyükanit tadelte Talat, weil er nicht das Einverständnis der Streitkräfte eingeholt hatte.

Seit Mittwoch ist die Brücke weg. „Jetzt sind die griechischen Zyprer am Ball“, sagt Rasit Pertev, Berater von Talat. Aber den Zyperngriechen reicht der Abriss nicht. Sie stellen weitere Bedingungen: Das türkische Militär müsse aus der Gegend verschwinden, die Umgebung des Übergangs von Minen geräumt und alle „nationalistischen Symbole und provozierendes Material“ entfernt werden. Damit sind türkische Fahnen und die Insignien der nur von Ankara anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“ gemeint.

Die zyprische Regierung beteuert zwar, sie wolle die Öffnung des Übergangs. Aber der zyprische Präsident Tassos Papadopoulos, ein glühender griechischer Nationalist, hat schon 2003 die Öffnung der Demarkationslinie durch die türkischen Zyprer als „Propagandatrick“ zurückgewiesen. Ein Jahr später dann war Papadopoulos die treibende Kraft hinter dem Nein der Inselgriechen zum Einigungsplan der UN. Und jetzt blockiert er in der EU Handelserleichterungen für die isolierten Zyperntürken. „Öffentlich beteuert Papadopoulos zwar seinen Willen zur Einheit der Insel, mit seiner Politik zementiert er aber die Teilung“, meint ein EU-Diplomat in Nikosia. Die Geschäftsleute auf der Ledra-Straße weiß Papadopoulos wohl auf seiner Seite: Sie fürchten, dass viele Kunden in den Norden abwandern, wo man vieles billiger einkauft.

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