Politik : Die Minderheit bangt um ihre Zukunft

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Mitrovice - Krähen kreisen über den Stahlkreuzen der Dimitrije-Kirche, Vater Milija lässt den Blick schweifen: Von hier oben sieht die Stadt fast friedlich aus. Auf den nördlichen Berghängen von Mitrovice wurde das neue orthodoxe Gotteshaus vor einem Jahr errichtet – nachdem das serbische Kloster im Süden der Stadt aufgegeben werden musste. Schon nach dem Krieg hatte sich die Bevölkerung von Mitrovice entlang dem Fluss Iber auseinanderdividiert: im Norden die Serben, im Süden die Albaner. Nur wenige Serben harrten im Süden aus, darunter Vater Milija und seine Glaubensbrüder – bis bei den Unruhen im März 2004 ihr Kloster verwüstet wurde.

Rund 114 000 Serben leben heute noch im Kosovo, etwa sechs Prozent der Gesamtbevölkerung, die meisten in den kosovarischen Grenzgebieten nördlich von Mitrovice, der Rest in isolierten Enklaven. Seit die Loslösung der Provinz von Serbien immer realer wird, macht sich hier Angst breit: Was, wenn sich die Unruhen von 2004 wiederholen? Nicht einmal die internationalen Schutztruppen hatten die Serben damals vor Übergriffen der Albaner schützen können.

Zwar haben die UN der kosovarischen Führung umfangreiche Zugeständnisse zum Schutz der Minderheit abgerungen. Doch das Misstrauen unter den Serben ist groß, und politisch genährt wird es durch die Führung in Belgrad: Keine Kooperation, lautet ihre Parole an die Kosovo-Serben, und deshalb beteiligen diese sich bis heute kaum an den multiethnisch konzipierten Verwaltungsstrukturen – trotz intensiver Vermittlungsversuche der UN.

Zugeständnisse hat Pristina auch beim Schutz des serbischen Kulturerbes gemacht: Orthodoxe Klosteranlagen und Kirchen sollen mit „Sonderschutzzonen“ umgeben werden, für die besondere Autonomierechte gelten. Radikale albanische Gruppierungen wie „Vetevendosje“ (Selbstbestimmung) machen gegen diese Zonen allerdings schon jetzt massiv Stimmung: Ihr Führer Albin Kurti bezeichnet die serbischen Priester im Kosovo gar als „fünfte Kolonne Belgrads“. Könnte sich also letztlich doch bewahrheiten, was Belgrads Politiker im Falle einer Unabhängigkeit androhen – die Massenflucht der Serben aus dem Kosovo? Vater Milija zuckt mit den Schultern: „Solange es Gläubige gibt in Mitrovice, bleibe ich hier.“ müh

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