Politik : Die „mörderische Intoleranz“ des Islam – eine Kritik ohne Kenntnis?

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Berlin „Mörderische islamische Intoleranz“ habe den Holländer Theo van Gogh getötet, las Gudrun Krämer in einer Zeitung. Das ärgerte sie. Krämer ist eine der renommiertesten Islamwissenschaftlerinnen der Republik. Montagabend fragte sie in einer Vortragsreihe der Freien Universität mit dem Titel „Ein neuer Kampf der Religionen? – Staat, Recht und religiöse Toleranz“ nach der Haltung der Muslime zu Heiden und Andersgläubigen. Ihre Antwort: Es gibt Toleranz im Islam – aber es kommt darauf an. Der Koran verlange von Muslimen, sich Nichtmuslimen gegenüber so zu verhalten, wie diese es ihnen gegenüber tun. Er zwingt nicht dazu, Muslim zu werden – aber er verbietet es, es wieder zu lassen. Und die Muslime sollen „Zeugen“ ihres Glaubens sein. Bekehrung ist also erwünscht.

Was der Koran nicht kenne: Gleichrangigkeit der Religionen. Nichtmuslime stehen klar unterhalb der Gläubigen. Monotheistische Religionen – etwa das Judentum – genießen dagegen bei den Sunniten schon seit der Entstehung der Scharia vom sechsten bis zum neunten Jahrhundert einen für diese Zeit „bemerkenswerten Rechtsschutz“ für Person und Eigentum. Die Kultausübung war gestattet, solange sie nicht öffentlich war. Bei den Schiiten radikalisierte sich dies, Nichtmuslime gelten als „unrein“. Wenn es regnete, sollten sie zu Hause bleiben, weil das an ihnen herunterlaufende Wasser den Boden beschmutzte.

Es ist jedoch wie mit der Bibel. „Die Wirklichkeit war nie von Koran und Sunna bestimmt“, sagte Krämer, sondern allein durch „Machtverhältnisse“. Welche muslimischen Länder heute ein Maß an religiöser Toleranz praktizierten, ergebe sich aus Herrschaft und Außenbeziehungen, die sie pflegten. Über Saudi-Arabien, dessen Königshaus den Glauben dekretiert, brauche man „gar nicht zu reden“. Anders die Lage in Ägypten. Dort gebe es etwa einen christlichen Feiertag – auch wenn nur zehn Prozent der Bevölkerung Christen sind.neu

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