Politik : „Die Mütter der US-Soldaten werden weinen“

Das irakische Regime weist das amerikanische Ultimatum zurück – und die Menschen fliehen aufs Land

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DIE WELT VOR DEM KRIEG

Bagdad (dpa/AFP/M.G.). Der irakische Präsident Saddam Hussein hat das Ultimatum des amerikanischen Präsidenten George W. Bush am Dienstag offiziell zurückgewiesen. Die Entscheidung sei auf einer gemeinsamen Sitzung des Zentralkomitees der BaathPartei und des Revolutionären Kommandorats unter Vorsitz von Saddam gefallen, berichtete das irakische Fernsehen.

In einer von der staatlichen Nachrichtenagentur INA verbreiteten Erklärung der irakischen Führung hieß es: „Die Anwesenden verurteilen das von Präsident George Bush gestellte bösartige und voreilige Ultimatum“. Der Irak werde „unter der Führung von Präsident Saddam Hussein weiter den Weg des Märtyrertums beschreiten, gegen die amerikanischen, britischen und zionistischen Angreifer und Invasoren“. Bushs Ultimatum sei der „verzweifelte Versuch, seine üblen Absichten zu verwirklichen, ohne zu kämpfen“.

Im Anschluss an die Sitzung traf Saddam Hussein mit seinen wichtigsten Militärberatern zusammen. Sie erklärten dem zum ersten Mal seit langer Zeit in Uniform auftretenden Präsidenten, die Armee und das Volk seien „bereit, um gegen jede Aggression zurückzuschlagen“. Der ältere Sohn des Präsidenten, Udai, sagte, Bush solle selbst zurücktreten. „Sonst werden die Mütter der amerikanischen Soldaten viel weinen müssen.“

Der irakische Außenminister Nadschi Sabri griff unterdessen UN-Generalsekretär Kofi Annan an. Dieser habe mit dem Abzug der Waffeninspekteure und der Mitarbeiter der humanitären UN-Organisationen aus dem Irak sowie der UN-Beobachtermission von der irakisch-kuwaitischen Grenze „den Weg zur Aggression geebnet“.

Der katholische Nuntius in Bagdad, Erzbischof Fernando Filoni, sagte dem Tagesspiegel, die Menschen seien sehr nervös und niedergeschlagen. Bewohner Bagdads, die Verwandte auf dem Land und ein Auto haben, versuchten, die Stadt zu verlassen. Alle anderen, vor allem die Ärmeren, hätten keine andere Wahl, als in der Stadt zu bleiben, und warteten voller Angst, was jetzt auf sie zukomme.

Er werde auch im Falle eines Krieges in Bagdad bleiben, sagte Filoni. „Wir werden die Nuntiatur nicht schließen, wir werden die Leute hier nicht im Stich lassen.“ Auch die kirchlichen Einrichtungen – Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten – würden weiter arbeiten. „Wir versuchen so gut es geht, das normale Leben auch in der jetzigen Lage weiterzuführen“, sagte der Erzbischof.

Die Menschen stehen vor Tankstellen, Lebensmittelgeschäften und Elektroläden Schlange. „Viele Familien oder Nachbarn legen zusammen, um sich einen Generator zu kaufen“, berichtet ein Ladenbesitzer. Bis zu vier Generatoren zu Stückpreisen zwischen 300 und 500 Euro verkauft er derzeit täglich, obwohl das durchschnittliche Monatsgehalt im Irak bei 30 Euro liegt. Die Menschen in der Hauptstadt haben Erfahrung mit Kriegen: Sie wissen, dass Elektrizitätswerke zu den ersten Bombenzielen gehören.

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