• Die Nachbarn wundern sich über die Deutschen Wien und Bern bleiben bei der Rechtschreibreform

Politik : Die Nachbarn wundern sich über die Deutschen Wien und Bern bleiben bei der Rechtschreibreform

Markus Huber[Wien]

Wie Deutschland haben auch Österreich und die Schweiz die neue Rechtschreibung 1998 eingeführt. Doch im Gegensatz zu Deutschland gab es in Österreich mit der Umsetzung bislang keinerlei Probleme. Deshalb gab die Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer von der konservativen Kanzlerpartei ÖVP erst vor wenigen Tagen bekannt, dass die Reform in Österreich nach der vorgeschriebenen Übergangsfrist von sieben Jahren im Juli 2005 verbindlich eingeführt werden wird.

Sämtliche Schulbücher sind in Österreich seit Jahren auf die neuen Rechtschreibregeln umgestellt. Erst kürzlich ergab eine im Auftrag des Unterrichtsministeriums erstellte Studie, dass die Rechtschreibsicherheit der Jugendlichen durch die neuen Regeln deutlich zugenommen hat: Die Fehlerquote bei Aufsätzen und Diktaten ist nach dieser Studie seit der Umstellung rapide gesunken.

Anders als in Deutschland gab es in Österreich auch in den Medien wenig Gegenwind. Alle Zeitungen und Zeitschriften publizieren seit Jahren nach den neuen Regeln. Die wenigen österreichischen Buchverlage haben seit Jahren umgestellt. Eine Rückkehr zur alten Schreibweise ist weder in den Medien noch in den Verlagen zu erwarten, heißt es aus dem Unterrichtsministerium. Auf die Entscheidung der großen deutschen Verlage Spiegel und Springer, wieder zur alten Schreibweise zurückzukehren, hat bisher keine der großen Tageszeitungen in Wien mit Zustimmung reagiert. „Wir warten erst einmal ab“, sagte der geschäftsführende Chefredakteur des „Standard“, Gerfried Sperl. Auch bei der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ hieß es: „Wir haben definitiv noch keine Entscheidung getroffen.“ Wolfgang Mayr, Chefredakteur der Austria Presse Agentur hält eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung für „nicht sinnvoll. Hat Deutschland keine anderen Sorgen als dieses Tauziehen zwischen einzelnen Politikern und einigen Medien?“ so Mayr weiter.

Im Gegensatz zu anderen Themen, bei denen innerdeutsche Diskussionen mit etwas Verzögerung nach Österreich überschwappen, sind in Sachen Rechtschreibreform keine Aufstände zu erwarten. Die konservative Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat an einer Reform der Reform „kein Interesse“, und die sozialdemokratische Opposition auch nicht. SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser nannte die innerdeutsche Diskussion „entbehrlich“. „Die Umstellung hat hier zu Lande einfach gut geklappt, vor allem bei den jüngeren. Natürlich tun sich manche Erwachsene noch schwer, aber das sind auch nicht mehr als es früher waren“, sagte er dem Tagesspiegel.

Auch in der Schweiz löst die deutsche Debatte eher Erstaunen aus. Die großen Verlage wollen dem Aufruf von Springer und Spiegel nicht folgen. „Unsere Zeitungen und Magazine sind schon bisher nicht einfach nach neuer Rechtschreibung gegangen“, sagte Myrta Bugini, Sprecherin des größten Schweizer Medienverlags Ringier („Blick“), am Freitag. Jeder Titel des Hauses habe eine eigene Regelung. Eine Verlagsanweisung gebe es nicht. „Wir werden dies nicht einfach verordnen, sondern schreiben so, wie es der Leser braucht.“ Für Kari Schnellmann vom „Tages-Anzeiger“ in Zürich kommt der Vorstoß nicht überraschend. Beim TA-Media-Verlag werde vorläufig nichts geändert, so lange die neue Rechtschreibung „noch amtlich ist“. Die „Neue Zürcher Zeitung“ sieht im Vorstoß aus Deutschland eine „unkluge Handlung“, sagte Chefkorrektor Stephan Dové. Die Zeitung übernehme die neue Schreibung nur dann, wenn der Sinn verständlicher werde. „Im Zweifel entscheiden wir uns eher für die alte Rechtschreibung.“ (mit dpa)

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