Politik : Die Nacht der Ohrfeigen

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Stuttgart Der Machtkampf um Ministerpräsident Erwin Teufel eskalierte am Sonntagabend, als Staatsminister Christoph Palmer den CDU-Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer ohrfeigte. Ein Protokoll der Ereignisse.

24. Oktober, 18 Uhr: Nach der OB-Stichwahl in Stuttgart werden die Wahllokale geschlossen. Staatsminister Christoph Palmer, der als Kreisvorsitzender der CDU den Wahlkampf von Amtsinhaber Wolfgang Schuster organisiert hatte, kommt ins Rathaus.

19 Uhr: Großer Jubel bei der CDU. Es steht bereits fest, dass Schuster im Amt bleiben wird. Palmer nimmt strahlend Glückwünsche entgegen.

20.15 Uhr: Die Siegesfeier im Stuttgarter Ratskeller beginnt. Teufel gratuliert Schuster und Palmer. Der Staatsminister ist bester Laune, scherzt mit Teufel, prostet den CDU-Anhängern zu.

22 Uhr: Teufel verlässt den Ratskeller.

22.30 Uhr: Schuster spricht mit Joachim Pfeiffer, dem Bundestagsabgeordneten und früheren Wirtschaftsförderer Stuttgarts.

22.31 Uhr: Palmer geht auf die beiden zu, mit einem Glas Weizenbier in der Hand. Augenzeugen sehen, wie er Pfeiffer am Kragen packt und ihn als „Verräter“ und „Rädelsführer“ beschimpft.

22.32 Uhr: Palmer gibt Pfeiffer drei laut schallende Backpfeifen und nennt Pfeiffer eine „Drecksau“. Palmer zu Pfeiffer: „Deine politische Karriere ist bald am Ende.“

22.33 Uhr: Parteifreunde versuchen Palmer zu beunruhigen. Der Staatsminister verlässt daraufhin den Saal.

23.15 Uhr: Palmer kehrt zurück. Bei einem Glas Wein entschuldigt er sich bei Pfeiffer.

25. Oktober, 9 Uhr: Palmer und Pfeiffer versuchen den Vorfall herunterzuspielen, von dem in der Nacht auch Teufel erfahren hat.

11.30 Uhr: Pfeiffer sagt der dpa, der Streit sei eine persönliche Angelegenheit gewesen: „Unter Freunden streitet man sich auch einmal.“ Er nehme Palmer das nicht übel.

12 Uhr: In einem Brief an Teufel kündigt Palmer den Rücktritt an: „Ein Minister muss sich untadelig verhalten.“ dpa

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