Politik : Die neue Verantwortung

Lukas Hermsmeier

Berlin - Die Liste der Unterstützer ist lang, und der Name auch: „Neue Verantwortung – junge Köpfe für Deutschland.“ So heißt der Verein, den Lars Zimmermann seit vier Wochen geschäftsführend leitet. Heute soll das Projekt in Berlin offiziell vorgestellt werden, an deren Seite gesellschaftliche Schwergewichte wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder der Olympische Sportbund stehen. Wenn man die Träger fragt, wissen die meisten allerdings nicht so genau, was das Projekt soll. Manche müssen sich erst einmal erkundigen, ob man denn die Sache wirklich unterstütze. Aber junge Köpfe und Verantwortung – das finden die meisten gut. Fragt man Lars Zimmermann, hören sich die Antworten schon euphorischer an, so, als könne man mindestens mal die ganze Gesellschaft verändern. „Neu und einmalig“ sei der Verein, sagt Zimmermann und definiert damit schon mal die Fallhöhe.

Etwas bürokratischer ausgedrückt klingt das Projekt so: eine Plattform für junge Leistungsträger, die sich mit den Zukunftsfragen der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen. Braucht man das? Zimmermann sagt ja: „Wir haben da eine Lücke entdeckt, Amerika ist da viel weiter.“

Über 800 Institutionen wie Unternehmen, aber auch Parteien wurden angeschrieben um einen Vorschlag für potenzielle Teilnehmer abzugeben. 400 Vorschläge kamen zurück, die werden jetzt geprüft, um 100 junge Leute nach schärfsten Kriterien auszusuchen: internationale Erfahrung, gesellschaftspolitisches Engagement, exzellente Ausbildung, nicht älter als 35 Jahre.

Wenn im November die ersten „jungen Köpfe“ zusammenkommen, sollen sie zwei Ziele verfolgen: „Interdisziplinäre und ergebnisorientierte Arbeit“, zählt Zimmermann auf und erklärt: „Ein Religionsforscher soll die Möglichkeit haben, Einblicke in die Arbeit eines Industriellen zu bekommen.“ Natürlich will man auch „Think Tank“, Denkfabrik, sein. Verschiedene Berufe, verschiedene Parteien – alle an einem Tisch: und schon ist die neue Verantwortung fertig?

Das kann Zimmermann natürlich auch noch nicht sagen, aber dafür mögliche Arbeitstitel nennen: „Das Kabinett im Jahr 2020“ oder „Die Zukunft des Sozialvertrages“. Zehn Monate haben die Teams Zeit, ihre „Papers“ zu schreiben, und die sollen dann nicht in der Schublade verschwinden, sondern auf der Internetseite vorgestellt werden. Und was sagt ein junger Leistungsträger, nicht Teilnehmer? „Leute zum Reden zusammenzubringen ist nicht gerade originell“, findet Johannes Vogel, Vorsitzender der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale. „Neu ist aber, dass Ergebnisse erwartet werden.“ Vogel hält die Idee für nicht verkehrt, bezweifelt aber, dass „konkrete Lösungen bei politischen Fragen zu erwarten sind, wenn man überparteilich fungieren will. Die Umsetzung wird schwierig.“ Aber so ist es meistens in der Politik. Lukas Hermsmeier

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