Politik : Die neue Zuversicht der SPD

Tissy Bruns

Berlin - Der bayerische Innenminister trägt es mit Humor. Wenn es zur großen Koalition kommen sollte, will Günther Beckstein (CSU) redlich mit Otto Schily (SPD) teilen: „Dann werde ich Innenminister und Schily Verteidigungsminister, weil er es viel lieber hat, wenn nicht nur zwei oder drei Polizeiführer mit ihm reden, sondern hundert Leute vor ihm strammstehen.“ Doch Beckstein ist in der Union die Ausnahme. Eine gute Woche vor der Wahl löst die Aufholbewegung der SPD bei der Opposition Verunsicherung aus. „Das Rennen ist offen“, sagte CDU-Vize Christoph Böhr dem „Handelsblatt“. Es gebe möglicherweise in der Gesellschaft „keine klare Mehrheit für den Kurs, für den Schwarz-Gelb steht.“ In der Bevölkerung herrsche „ein flaues Magengefühl“, das man mit der Frage umschreiben könne: „Wer weiß, welche Medizin uns die Union verabreichen will?“ Es sei „sehr schwer“, dieses Grundgefühl zu drehen.

In der SPD verbindet sich dieses Grundgefühl mit neuer Siegeszuversicht und einem Namen: Paul Kirchhof. Angela Merkels Finanzexperte hat der SPD endlich den Stoff geliefert, an dem sich die behauptete „Richtungsentscheidung“ zwischen SPD und Union dingfest machen lässt. Gleichzeitig ist nach dem TV-Duell der Abstand zwischen den beiden Spitzenkandidaten erneut zu Gunsten von Bundeskanzler Gerhard Schröder gewachsen. Schröder hat in dieser Woche ein Wahlziel von 38 Prozent für die SPD angegeben, das auch von SPD-Politikern wie SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles, die Schröders Neuwahl-Plan skeptisch gegenüberstand, als realistisch bezeichnet wird. Der niedersächsische SPD-Politiker Sigmar Gabriel bescheinigte Schröder, niemand gebe der SPD so viel Mut und Zuversicht.

Mit dem Verlust der schwarz-gelben Mehrheit in den Umfragen und Schröders 38-Prozent-Ziel wachsen die Spekulationen über mögliche Koalitionen. Aus Union und FDP wurde erneut auf die Gefahr einer rot-rot-grünen Koalition hingewiesen. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer erteilte einer solchen Koalition wie einem Regierungsbündnis von SPD, FDP und Grünen eine klare Absage.

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