Politik : Die neuen Ziele sind die alten

NAME

Von Thomas Migge, Rom

„Ein Gipfel des Erfolgs“ schwärmte Silvio Berlusconi am Donnerstag Mittag bei der Schlussveranstaltung des Welthungergipfels der FAO in Rom. Italiens Ministerpräsident erklärte vor 4000 Delegierten aus den 180 Mitgliedsstaaten der Welternährungsorganisation, dass „Hunger die Menschen zu Verzweiflungstaten, zum Terrorismus treiben kann, weshalb wir konkret etwas gegen den Hunger unternehmen müssen“. Er wolle sich beim G-8-Treffen in Kanada und beim EU-Gipfel in Sevilla „für die hier erreichten Ziele einsetzen“. Auf die Ziele selbst kam er nicht zu sprechen. Fragen zu diesem Punkt überhörte er geflissentlich. Denn es gibt auch keine neuen Ziele. Die Delegierten einigten sich lediglich darauf, dass die beim letzten Welthungergipfel 1996 angestrebten Ziele auch heute noch gültig seien. „Nur jetzt müssen wir“, so Jacques Diouf, Direktor der FAO, „uns endlich dazu aufraffen, die Ziele auch wirklich zu realisieren“.

Angestrebt wird die Halbierung der derzeit rund 800 Millionen hungernden Menschen bis zum Jahr 2015. Alle anwesenden Ländervertretungen einigten sich, in den vom Hunger betroffenen Ländern vor allem die Landwirtschaft und die Verkehrsnetze auszubauen. In den nächsten Monaten sollen Projekte ausgearbeitet werden. Ziel sei es, so Diouf, „in den ärmsten Ländern autonome Landwirtschaftssysteme aufzubauen“. Dafür müssen „Saatgut und landwirtschaftliche Maschinen in großen Mengen herbeigeschafft werden“. Festgehalten wird ebenfalls an der 1996 getroffenen Entscheidung, wonach die reichen Länder jährlich rund 24 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Anti-Hunger-Projekte bereitstellen müssen.

Weitere Entscheidungen wurden nicht getroffen. Die von den USA befürwortete Freigabe des Verkaufs und Anbaus biotechnologisch manipulierter Nutzpflanzen wurde zwar heftig diskutiert, aber das Plenum traf keine Entscheidung. Die meisten unterentwickelten Länder sprachen sich gegen solche Nutzpflanzen aus. Der Mangel an konkreten Ergebnissen wurde vor allem von den Delegationen der 700 nach Rom gekommenen Nichtregierungsorganisationen kritisiert. Ihrer Meinung nach könnte man sich, so ein Sprecher der Caritas Italiana, „solche Veranstaltungen auch sparen, denn außer schönen Worten kommt ja doch nichts heraus“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar