Politik : Die öffentliche Meinung als Achterbahn (Kommentar)

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Vor etwas über einem Jahr hat der Wähler Helmut Kohl abgewählt. Zwar gibt es inzwischen auch Forscher, die die Evidenz dieses Vorgangs bezweifeln, aber dass Kohl das damalige Desaster der Union kräftig mitbeeinflusst hat, ist schwerlich zu bezweifeln. Nun also sehen ihn die Umfragen auf dem Weg nach vorn, mittlerweile vor Gerhard Schröder, dem Medienkanzler, dessen Performance seinerzeit zum rot-grünen Wahlsieg führte. Das ist eine späte, allerdings auch zu späte Genugtuung für Helmut Kohl, der zu seinen Kanzlerzeiten notorisch popularitäts-schwach war. Aber was ist es noch? Und was haben die übrigen Resultate zu besagen? Absolute Mehrheit für die Union, falls gewählt würde? Es wird aber nicht gewählt. Biedenkopf, der gescheiterte West-Politiker, der zum Ost-Star wurde, an der Spitze der Erfolgspolitiker? Die satten vierzig Prozent, die bei dem Reiz-Thema soziale Gerechtigkeit keinen Unterschied zwischen rot-grüner Regierung und Opposition ausmachen können? Vielleicht tut man gut daran, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Umfragen Stimmungen messen, nicht mehr. Dann ist an diesen Daten vor allem abzulesen, dass nicht nur die Gewählten, sondern auch die Bürger ziemlich durcheinander sind. Die öffentliche Meinung als Achterbahn? Aus dieser Erkenntnis könnte sogar die gebeutelte rot-grüne Koalition Trost ziehen - allerdings im Moment nur daraus.

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