Politik : …die Pampa einen Helden feiert

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Jedes Land hat seine Helden. Besonders heldenhafte Helden bekommen – wenn sie Glück haben – eine eigene Straße inklusive Bushaltestelle, Lidl und Radarfalle. In Deutschland muss man sicherheitshalber eine geraume Zeit tot sein, um so gewürdigt zu werden. Denn das Gute an mausetoten Helden ist: Sie können nicht plötzlich damit aufhören, Helden zu sein, etwa, weil sie es sich aus einer Laune heraus anders überlegen, weil sie dumme NaziVergleiche machen, Spenderlisten nicht offen legen oder in einen Sex-Skandal verwickelt werden.

Wer als Held stirbt, hat gute Chancen, für immer als solcher verehrt zu werden. Wäre Rudi Dutschke noch unter uns, er wäre heute immerhin 65 Jahre alt und vielleicht Chefideologe der Linkspartei oder Pommesverkäufer im Kreuzberger Prinzenbad. So aber bleibt er für immer der Liebling der Flokati-Generation – ausgerechnet der Generation, die den Jüngeren das „kritische Hinterfragen“ von Autoritäten eingeprügelt hat.

Menschen ändern sich. Die meisten Helden sind Lebensabschnittshelden, immerhin das. In Argentinien hat man das längst begriffen. Dort stehen sie auf besonders rührende Weise zu ihren großen Söhnen: Diego Maradona, Fußballgott, lebt zum Glück noch, wie jeder weiß. Und er bekommt jetzt eine Straße, ausgerechnet in der pulsierenden Hauptstadt der argentinischen Provinz Pampa. Es ist im Augenblick weltweit die einzige Straße, die seinen Namen tragen soll.

Maradona, so sagen die Experten, ist der beste Fußballspieler aller Zeiten. Er ist ziemlich dick geworden und hat dann wieder abgenommen. Er hat gekokst. Er zahlt zu wenig Alimente für seinen unehelichen Sohn Dieguito. Zu seinem Freundeskreis gehören Fidel Castro, Teile der neapolitanischen Mafia und mittlerweile sogar Pelé. Und vor kurzem hat er endlich zugegeben, bei seinem Tor im Viertelfinale gegen England bei der Weltmeisterschaft 1986 mit der Hand nachgeholfen zu haben. War doch nicht die Hand Gottes. Ein echter Sympathieträger, aber insgesamt betrachtet alles andere als ein Vorbild für die Weltjugend. Das stolze Volk der Argentinier jedenfalls betet diesen Mann an, es trug den Helden auch über dessen fette Jahre, und es trug gar nicht mal besonders schwer an ihm.

Und was sagt Maradona? Nichts. Anwohner beobachteten ihn jüngst, wie er singend durch seine Straße zog: „Hol’ den Vorschlaghammer/Sie haben uns ein Denkmal gebaut/und jeder Vollidiot weiß/dass das die Liebe versaut.“ Gerd Müller, auch so ein kleiner, dicker Fußballer, hatte ihm den Hit von Wir sind Helden als MP3 rübergemailt. oom

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