Politik : Die PDS in Magdeburg freut sich über Äußerungen der CDU

Eberhard Löblich

Der stellvertretende Fraktionschef der PDS im Magdeburger Landtag kann ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Das wurde ja auch Zeit, dass selbst die CDU merkt, dass wir irgendwie die gleichen DDR-Wurzeln haben", meint Matthias Gärtner. Und auch Wolfgang Süß, der Wirtschaftsexperte der PDS-Fraktion, hofft, dass sich mit den jüngsten Äußerungen des CDU-Fraktionschefs Christoph Bergner das Verhältnis zwischen Union und SED-Nachfolgern bessert. "Ich weiß gar nicht, warum der PDS eine Lernfähigkeit stets abgesprochen wird, die die CDU in Ostdeutschland wie selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt", meint Süß. In der CDU Sachsen-Anhalts tobt derweil weiter der Streit, den Fraktionschef Bergner mit seiner Sicht auf die PDS ausgelöst hat.

Als "linke Volkspartei ist die PDS und nicht die SPD der entscheidende politische Gegner für die Union", hatte Bergner vor wenigen Tagen gesagt. Bislang hatten seine Parteifreunde die PDS lieber totgeschwiegen, als sich mit ihr auseinanderzusetzen. .

Aber auch wenn Bergner die PDS als Volkspartei neuerdings zu akzeptieren bereit ist, auf Schmusekurs möchte er nicht gehen. "Ich will eine inhaltliche Auseinandersetzung mit denen", sagt er, "denn die PDS ist längst die authentischere Partei in Ostdeutschland." Die SPD dagegen lasse sich zumindest in Sachsen-Anhalt in weiten Bereichen durch die PDS fernsteuern, um deren Tolerierung nicht aufs Spiel zu setzen. In der politischen Auseinandersetzung des Ostens seien die Sozialdemokraten zur Niemandslandfigur verkommen.

Auch Matthias Gärtner ist der Überzeugung, dass Bergner mit seinem Vorstoß nur längst vorhandene Realitäten anerkennt. "Es gibt heute in Ostdeutschland zwei Nachfolgeparteien des Nationalen Blocks aus DDR-Zeiten", sagt er. "Die eine sind wir, die andere ist die CDU." Diese beiden Parteien seien natürlich viel mehr als etwa die SPD in den Köpfen der Menschen verankert als andere, zumal sie auch in nahezu allen Kommunen präsent seien. Für die PDS wäre die CDU schon längst der eigentliche Hauptgegner, unterstreicht Gärtner. "Die SPD ist ja eigentlich unser strategischer Partner", meint er.

Die CDU führt unterdessen eine teils ungewöhnlich emotionale Debatte über die Bergner-Thesen. "Wenn man es vom Wählerspektrum her sieht, dann wäre die PDS im Osten Deutschlands eine Volkspartei", räumt auch CDU-Landescherf Wolfgang Böhmer ein. "Aber eben nur im Osten, und deshalb gilt diese Einschätzung nicht für das ganze Bundesgebiet." Ein bisschen habe Bergner deshalb vielleicht sogar recht, resumiert Böhmer eine Fraktionsklausur, in der dem Fraktionschef gehörig der Kogf gewaschen worden war. "Deshalb haben wir ihn auch nicht in Grund und Boden gestampft", meint Böhmer.

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