Politik : Die PKK kämpft wieder – jetzt auch gegen Zivilisten

Susanne Güsten

Istanbul - Mit einem Bombenanschlag der kurdischen Rebellengruppe PKK auf einen zivilen Personen- und Güterzug im Südosten der Türkei hat der wieder aufgeflammte Konflikt zwischen der PKK und dem türkischen Staat einen neuen Höhepunkt erreicht. Fünf Beamte des Wachpersonals der türkischen Staatsbahn TCDD wurden bei dem Anschlag am Samstag getötet, weitere 20 Menschen wurden verletzt. Die PKK-Rebellen zündeten den Sprengsatz an der Bahnstrecke zwischen Elazig und Tatvan per Fernauslöser. Eine zweite Bombe explodierte unter einem Zug, der Rettungsmannschaften zum Explosionsort bringen sollte; dabei wurde niemand verletzt. Türkische Sicherheitskräfte entschärften zudem einen dritten Sprengsatz in der Nähe des Explosionsortes.

Der türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilten den Bombenanschlag und drückten den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Zu den möglichen Urhebern des Anschlags äußerte sich die Regierung in Ankara nicht.

PKK-nahe Medien berichteten am Sonntag, die Kurdenrebellen hätten sich zu dem Anschlag bekannt. Die Gewalttat sei eine Vergeltung für den Tod eines PKK-Regionalkommandanten gewesen, der in der vergangenen Woche von der türkischen Armee erschossen worden war.

Die PKK hatte zwischen 1984 und 1999 für einen kurdischen Staat im türkischen Südosten gekämpft, dann aber ihre Waffen niedergelegt. Im vergangenen Jahr kündigte sie den Waffenstillstand auf und begann wieder mit Anschlägen. Seitdem sind mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen. Die Rebellen verlangen von Ankara eine Generalamnestie für rund 5000 Kämpfer, was die türkische Regierung ablehnt. Bisher richteten sich die neuen Angriffe der PKK fast ausschließlich gegen die türkische Armee. Der Anschlag auf den zivilen Zug bei Bingöl stellt deshalb eine neue Eskalationsstufe dar.

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