Politik : Die PKK kehrt zurück

Neue Gewalt / Experten: Touristen kaum gefährdet

Susanne Güsten

Istanbul - Die PKK macht offenbar ernst mit ihrer neuen Gewaltandrohung: Sechs ihrer Mitglieder wurden am Dienstag in Istanbul festgenommen; im Gepäck hatten sie Sprengstoff, Zünder und weiteres Terror-Handwerkszeug. Die Festnahmen treffen mit der Ankündigung der PKK zusammen, ab sofort wieder zum bewaffneten Kampf zurückzukehren. Die fünfjährige Waffenruhe sei vorbei, erklärte die PKK-Führung, die ausdrücklich auch ausländischen Investoren und Touristen in der Türkei drohte.

Doch wie gefährlich ist die PKK noch? Im Südosten der Türkei zeichnet sich schon seit einigen Wochen eine Gewalteskalation an. Fünf Jahre lang war es in dem kurdisch besiedelten Gebiet ruhig. Nun gibt es wieder vermehrte Gefechte zwischen Rebellen und Sicherheitskräften, bei denen im Mai mehr als 20 Kämpfer getötet wurden.

Auslöser ist die Situation im Irak, wo die PKK-Rebellen seit ihrem Abzug aus der Türkei vor fünf Jahren lagern und nun unter den Druck der Amerikaner geraten. Vielen Rebellen ist es schon gelungen, sich über die Grenze in die Türkei zurück durchzuschlagen. Die PKK-Führung erklärte nun drei südosttürkische Provinzen zu ihren neuen Rückzugsstellungen, in denen sie von der türkischen Armee unbehelligt zu bleiben wünscht. Bei Angriffen dort werde sie sich wehren, erklärte sie – dann allerdings mit Gewalttaten überall in der Türkei. Fraglich ist, wie viel Unterstützung die PKK-Führung für diese Linie finden kann. In der Bevölkerung von Südostanatolien will fast niemand eine Rückkehr zur Gewalt. Auch innerhalb der von Flügelkämpfen gebeutelten Rebellengruppe dürfte die Kampfansage umstritten sein.

Mit Angriffen der PKK auf militärische und staatliche Ziele sei durchaus zu rechnen, meinen Experten in der Türkei. Aktionen gegen Touristen halten sie aber für unwahrscheinlich. Die PKK würde damit den Rest europäischer Unterstützung verspielen, auf die sie angewiesen sei. Vor allem aber sei den Rebellen klar, dass sie mit einem Angriff auf Zivilisten oder Touristen die geballte Macht der türkischen Armee auf sich ziehen würden. Mit Afghanistan und der Sorge um den Irak beschäftigt, begnügt sich die Armee derzeit damit, die Rebellen abzufangen, wo sie ihr ins Netz laufen.

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