• Die Präsidentschaftskandidaten stellen sich in New Hampshire den Primaries - Unahängige Wähler sind entscheidend

Politik : Die Präsidentschaftskandidaten stellen sich in New Hampshire den Primaries - Unahängige Wähler sind entscheidend

Robert von Rimscha

Eine knappe Million Wahlberechtigte im US-Bundesstaat New Hampshire waren am Dienstag aufgerufen, bei der ersten regulären Vorwahl im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf abzustimmen. In beiden Parteien wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Bei den Demokraten lagen Vizepräsident Al Gore und Ex-Senator Bill Bradley nahezu gleich auf. Bei den Republikanern hofften Gouverneur George W. Bush und Senator John McCain auf den Sieg. Alle vier gaben sich am Dienstag siegessicher. Den ersten Wählertest, die Abstimmungen bei Parteiversammlungen in Iowa am 24. Januar, hatten Bush und Gore gewonnen. Wegen des dicht gedrängten Kalenders kommt den Wahlen in New Hampshire vorentscheidende Bedeutung zu.

Kuriositäten überschatteten den Wahlkampfschluss. Der Republikaner Gary Bauer, ein Kandidat der religiösen Rechten, fiel beim Versuch, mit einer Schöpfkelle einen zu schräg nach oben geschleuderten Pfannkuchen aufzufangen, rückwärts von einer Bühne. Er zog sich lediglich Schrammen zu.

Ganz Amerika rätselte nach dem Football-Finale am Sonntag, ob der Ausgang Symbolcharakter für die Wahl haben würde. Den "Super Bowl" gewannen die "Rams" aus St. Louis gegen die "Titans" aus Tennessee. Bradley wuchs nahe St. Louis auf und hatte auf die "Rams" gewettet. Gore, vormals Senator des Bundesstaates Tennessee, hatte auf seine Heimatmannschaft gesetzt und verloren.

Bradley mäßigte am Schlusstag seine Attacken gegen Gore. Er hatte diesem eine verfälschende Darstellung seines eigenen Abstimmungsverhaltens und der Konkurrenz-Pläne Bradleys zur Reform der Krankenversicherung vorgeworfen. McCain und Bush debattierten bis zuletzt über die angemessene Höhe von Steuernachlässen. Bush will 33 Prozent der prognostizierten Haushaltsüberschüsse durch Steuersenkungen an die Bürger zurückgeben, McCain 23 Prozent.

Gores Helfer riefen am Montag 150 000 Wähler an und baten um Unterstützung, Bush ließ das Telefon bei 110 000 Wählern klingeln. Traditionell stimmte der Weiler Dixville Notch unmittelbar nach Mitternacht am Dienstagmorgen zuerst ab. Bradley bekam vier, Gore zwei, Bush 12 und McCain zehn Stimmen; 29 Bürger stimmten ab. Landesweit schlossen die Wahllokale teils um 19, teils um 20 Uhr.

Wahlentscheidend in New Hampshire ist, dass die knappe Mehrheit jener Bürger, die nicht als Anhänger einer Partei ins Wählerregister eingetragen sind, wahlweise bei der einen oder anderen Partei abstimmen kann. Vor allem Bradley, McCain und der Republikaner Steve Forbes hatten sich um die Stimmen unabhängiger Wähler bemüht. Bei den letzten "primaries" in New Hampshire mit innerparteilichen Gegenkandidaten hatte bei den Demokraten Ex-Senator Paul Tsongas aus dem Nachbarstaat Massachusetts gewonnen, bei den Republikanern der Isolationist und Protektionist Pat Buchanan.

Anders als 1996 haben vom Partei-Establishment nicht unterstützte Kandidaten diesmal kaum Zeit, eine Niederlage durch Basisarbeit in den nächsten Vorwahlstaaten auszugleichen, da bereits am 7. März 14 große Flächenstaaten, darunter New York und Kalifornien, abstimmen. Die meisten US-Kommentatoren sind daher der Ansicht, dass Bush und Gore die Nominierung als Präsidentschaftskandidat für die Wahl eines Clinton-Nachfolgers am 7. November im Falle eines Sieges in New Hampshire bereits so gut wie sicher hätten, obwohl in 48 - und allen großen - Bundesstaaten noch kein einziger Wähler seine Meinung kund getan hat. Siege Bradleys und McCains wären demgegenüber ein Signal, dass beide Nominierungen äußerst umkämpft bleiben.

Für die Republikaner folgt als nächstes die Vorwahl in South Carolina am 19. Februar. McCain liegt dort Umfragen zufolge 20 Prozentpunkte hinter Bush. Der Senator aus Arizona und ehemalige Kriegsgefangene in Vietnam versuchte sowohl in New Hampshire wie South Carolina, Veteranen zu mobilisieren. In jedem Wahlkreis beider Staaten hat McCain sowohl einen "Kreis-Vorsitzenden" seiner Kampagne eingesetzt als auch einen "Veteranen-Vorsitzenden". Die größten Zeitungen New Hampshires hatten sich in Leitartikeln der vergangenen Tage für Forbes, Bush und Bradley ausgesprochen.

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