Politik : Die Preise steigen (k)ein bisschen (Kommentar)

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Wie schnell der Wind sich dreht. Es ist gerade ein Jahr her, dass die Untergangspropheten das Gespenst der Deflation an die Wand malten. Die Asienkrise werde international zu einem Verfall der Preise führen; eine neue Weltwirtschaftskrise sei dann nicht mehr fern, so hieß es. Und ein deutscher Finanzminister wurde damals nicht müde, die Zentralbanken dieser Welt zu beschwören, rasch die Zinsen zu senken, um den Konsum und Investitionen anzukurbeln. Man muss sich dieses Szenario noch einmal so plastisch vor Augen halten, um die binnen Jahresfrist veränderte Kulisse richtig einschätzen zu können. Jetzt nehmen die Experten schon wieder das Wort Inflation in den Mund, die Europäische Zentralbank hat gerade die Zinsen erhöht, und die schöne neue Welt inflationsfreien Wachstums scheint schon wieder aus der Mode zu sein. Doch gemach. Übergroße Sorge wäre fehl am Platz. Eine Teuerung von 1,6 Prozent hätte in den siebziger Jahren allenfalls müdes Lächeln ausgelöst. Wichtiger noch: Treibende Elemente des Preisanstiegs sind Sondereinflüsse, nicht vom Markt, sondern vom Fiskus ausgelöst: die zweite Stufe der so genannten ökologischen Steuerreform hat die Energiepreise verteuert. Gelassen stimmt auf der anderen Seite, dass Privatisierung und Wettbewerb auf vielen Gebieten - vom Telefon bis zum Strom - dem Verbraucher sinkende Preise bescheren. Inflationsgefahren ernsten Ausmaßes sind weit und breit nicht zu erkennen.

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