Politik : Die Presse – unbedingt abwehrbereit

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Berlin Nicht das Gleiche, aber vergleichbar: der Fall „Cicero“ und die „Spiegel“-Affäre. Sie war im Herbst 1962 eine erste Kraftprobe zwischen der Staatsmacht und den Medien der jungen Bundesrepublik. Unter dem Titel „Bedingt abwehrbereit“ hatte der „Spiegel“ einen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wurde, Nato und Bundeswehr seien für einen Angriff des Warschauer Pakts nicht gerüstet. Laut Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß (CSU) enthielt der Text geheime Informationen, und er formulierte den Vorwurf: „Landesverrat“. Am 26. Oktober 1962 besetzten Polizisten die Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins in Hamburg und Bonn. Die Chefredakteure Claus Jakobi und Johannes Engel sowie der Autor des Artikels, Conrad Ahlers, wurden verhaftet. „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein stellte sich später der Polizei. In der Öffentlichkeit stieß das staatliche Vorgehen auf Empörung und Widerstand. Die Gleichung „Spiegel tot – Freiheit tot“ machte die Runde. Es wurde der Verdacht laut, Verteidigungsminister Strauß wolle ein Medium mundtot machen, das ihm kritisch gegenüberstand. Es kam zur Krise der Regierung des Kanzlers Konrad Adenauer (CDU). Schließlich zerbrach die Union/FDP-Koalition am Rücktritt der FDP–Minister. Strauß musste seinen Hut nehmen. Augstein wurde nach 100 Tagen U-Haft freigelassen. Die Medien hatten sich als vierte Macht im Staate etabliert. licht

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