Die Razzia : "Wir standen seit Monaten auf einer Liste"

Der Büroleiter der Konrad Adenauer Stiftung berichtet von den Geschehnissen in Kairo.

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Herr Jacobs, was ist genau passiert?

Am Donnerstag klingelte es um 13 Uhr bei uns Sturm. Als wir öffneten, kamen zehn bis 15 Personen ins Büro, drei bewaffnete Polizisten blieben vor der Tür. Einen Durchsuchungsbefehl gab es nicht, angeblich war dies nicht nötig, weil der zuständige Richter ebenfalls anwesend war. Die Aktion dauerte rund vier Stunden. Sämtliche Computer, Scanner, ein Satellitentelefon und Akten wurden beschlagnahmt, das Büro versiegelt.

Gab es Hinweise auf Ermittlungen?

Wir wussten, dass wir seit Monaten auf einer Liste von 40 Organisationen stehen, deren Status und Arbeitsweise überprüft werden sollen. Zeitweise waren unsere Konten gesperrt, nachdem wir Dokumente über unseren Status vorgelegt hatten, wurden sie aber wieder freigegeben. Vor Weihnachten wurde ich außerdem zur Staatsanwaltschaft vorgeladen. Da ich in Deutschland war, legte ein Kollege dort Dokumente vor.

Warum stand ausgerechnet Ihre Stiftung auf dieser Liste?

Dafür haben wir keine Erklärung, denn andere deutsche Stiftungen sind nicht betroffen. Grundsätzlich arbeiten wir als parteinahe Organisation in einer nicht ganz eindeutigen Rechtslage außerhalb der offiziellen Entwicklungskooperation. In den vergangenen 30 Jahren war das aber nie ein Problem.

Gibt es sensible Projekte?

Der Umgang mit den Akten der hiesigen Staatssicherheit war ein Thema für uns und und auch der Umgang mit der christlichen Minderheit. Letztlich ist das aber reine Spekulation.

Andreas Jacobs leitet das Büro der Adenauer Stiftung in Kairo. Mit ihm sprach Ulrike Scheffer.

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