Politik : Die Rechnung kommt später

Bundesbankpräsident Welteke bezahlt nachträglich die Hälfte seines Ausflugs zur Euro-Fete im Adlon – aber nicht ganz freiwillig

Robert von Rimscha

Rund 350 000 Euro verdient er im Jahr. Ernst Welteke, Präsident der Bundesbank, Inhaber jenes Amtes also, das stets die Härte deutschen Geldes garantierte und nun, da der Euro die Mark ersetzt hat, an Gewicht verlor. Ein gutes Hundertstel seines Jahresgehalts, knapp 4000 Euro, hat Welteke am Montag an die Dresdner Bank überwiesen. Freiwillig tat er es nicht.

Mit unverhohlenem Befremden hatte die Bundesregierung auf die „Familienausflugs-Affäre“ Weltekes reagiert. Zur Euro-Bargeldeinführung waren Weltekes im Berliner „Adlon“ abgestiegen - vier Tage um Silvester/Neujahr für knapp 8000 Euro. Eingeladen von der Dresdner Bank. Jetzt teilen sich Welteke und die Bundesbank die Kosten. Nachträglich. Und Welteke spricht von einem „Missverständnis“.

Zuvor hatte das Finanzministerium eine rasche Aufklärung angemahnt, zugleich indes die alleinige Zuständigkeit der Bundesbank hervorgehoben. Was man von Weltekes Verhalten hielt, wurde dennoch klar. Im Kabinett wäre „ein vergleichbares Verhalten von Bundesministern nicht zu dulden“, sagte der Sprecher Hans Eichels. In seinem Ministerium gingen am Donnerstag drei anonyme Briefe ein, die von Weltekes Adlon-Aufenthalt berichteten. Eine vorläufige Prüfung ergab, dass ein offenkundiger Verdacht unberechtigt war: Nein, hier lag kein Aprilscherz vor. Daher habe das Ministerium beschlossen: „Wir sollten handeln.“ Am Freitag wandte man sich an die Bundesbank. Doch dem Beschuldigten waren die Vorwürfe bereits bekannt.

„Gespannt“ wartete man bei Hans Eichel also auf Weltekes Erklärung. Die ersten, eher flapsigen Hinweise des Bankchefs auf die völlig normale Verlängerung der Silvester-Party hatten eher noch Öl ins Feuer gegossen. Schon hatte die Politik reagiert. Klaus Uwe Benneter, der neue SPD-General und Parteifreund Weltekes, äußerte Unverständnis; der Finanzausschuss des Bundestages drohte mit Vorladung. Steuerzahlerbund-Chef Karl-Heinz Däke forderte Weltekes Rücktritt, falls ein Verstoß gegen das Beamtenrecht vorliege. Unklar blieb, ob die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen eingeleitet hatte.

Dann kam Weltekes knirschendes Teilgeständnis. Hans Eichel übrigens, der mit ihm den Euro feierte, ließ sich keine teuren Adlon-Nächte fremdfinanzieren. Der Minister hat schließlich eine Wohnung in Berlin.

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