• Die Regierungspressekonferenz verlässt die Bundesstadt. Ihre letzten Worte lauteten: "Bis Montag in Bonn" - hoppla!

Politik : Die Regierungspressekonferenz verlässt die Bundesstadt. Ihre letzten Worte lauteten: "Bis Montag in Bonn" - hoppla!

Robert Birnbaum

"Fragen zu anderen Themen? Das ist nicht der Fall. Dann schließe ich die Pressekonferenz." Wie oft diese drei Sätze in Bonn in den letzten fast 50 Jahren gesagt worden sind, hat niemand ganz genau gezählt - 9000, 10 000 Mal lautet die Schätzung. Am Mittwoch war das letzte Mal: Die aller-allerletzte Regierungspressekonferenz am Rhein. Ein Nostalgie-Ereignis ersten Ranges also. Was Wunder, dass auf den Stühlen für die Journalisten die älteren Semester dominierten.

1949 hat es angefangen, am 18. Oktober. Der Verein der Bundespressekonferenz lud Gäste ein: Konrad Adenauer und Ludwig Erhardt. Vorausgegangen war ein Disput zwischen Bonner Pressecorps und Politik. Da hatten sich nämlich die Presseleute darüber beschwert, dass die Regierung, statt gründlich zu informieren, die Journalisten mit "nichtssagenden, oft völlig verspätet herausgegebenen Kommuniqués" abspeise. Täglich müssten die Sprecher der Ministerien zur Pressekonferenz erscheinen, mindestens einmal wöchentlich der Kanzler.

Daraus ist nichts geworden. Aber ein Ritual ist doch herausgekommen: Drei Mal in der Woche sitzen die Sprecher der Ministerien, in der Mitte der amtierende Regierungssprecher, auf dem Podium und beantworten die Fragen der Journalisten. Oder auch nicht. Insofern gleicht der Verlauf der letzten den meisten vorhergehenden Bonner Regierungspressekonferenzen: Wie denn die Regierung über die Steuerdiskussion in der SPD denke? "Positiv, meistens positiv", war noch das Zitabelste, was Vizeregierungssprecherin Charima Reinhardt dazu einfiel.

Nun gibt es nicht wenige, die die Institution sowieso für ein bisschen überlebt halten. Als die Regierungspressekonferenz eingeführt wurde, war ein Regierungssprecher ein respektgebietender Herr. Auf die Idee, ihn anzurufen und nach dem Stand der Dinge zu fragen, wäre niemand gekommen. Also war die Pressekonferenz der Ort, an dem es etwas zu erfahren gab. Das ist anders geworden. Wer heutzutage wirklich etwas wissen will, der geht zur Regierungspressekonferenz nur, weil er einen der Sprecher nachher sacht beiseite ziehen und mit ihm Tacheles reden will.

Jetzt ist es sogar damit am Rhein vorbei, zum großen Kummer der "Bonn-Bleiber" - jener kleinen Truppe, die den Treck nach Berlin nicht mitmacht. In den letzten Wochen ist die Truppe sogar noch größer geworden; jedenfalls registriert die Sprecherin der Stadt Bonn, Monika Härig, neuerdings wieder ein auffälliges Interesse an ihrer neunseitigen Argumentationshilfe "Warum ist es auch künftig interessant für Journalisten, in Bonn zu arbeiten?". Da merkten einige offenbar, dass es jetzt ernst werde, mutmaßt Hörig: "Eine Art Torschlusspanik". Dabei mag die Erkenntnis eine Rolle spielen, die ein Bonn-Bleiber in den schlichten Satz kleidet: "Hier ist ab jetzt ja gar nichts mehr los!" Auch Hörigs Ratgeber hält da wenig Trost bereit: "Ein erheblicher Teil der Bundespolitik wird auch künftig in Bonn gemacht", schreibt die Stadtsprecherin tapfer, aber nicht ganz wahrheitsgetreu. Die Regierungspressekonferenz jedenfalls zieht mit um. Vizesprecherin Reinhardt: "Bis Montag in Bonn um 14 Uhr 30." Gelächter. In Bonn? "Ach, das wird mir bestimmt noch öfter passieren!"

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