Politik : Die "Reporter ohne Grenzen" verteidigen die Berichterstattung (Interview)

In einem Interview des Fernsehsenders TF1 bekamen

Das Auswärtige Amt hat die Medien aufgefordert, im Geiseldrama der auf der philippinischen Insel Jolo entführten Touristen "überlegt und verantwortungsvoll" zu berichten. Auch das französische Außenministerium rügte am Montag den Umfang der Berichterstattung. Die Vielfalt der Reportagen erschwere die Bemühungen zur Freilassung der Geiseln, erklärte das Ministerium. Das sieht Vincent Brossel, Leiter des Asien-Büros bei der Pariser Organisation "Reporter ohne Grenzen", anders: Es ist die Aufgabe der Medien, zu berichten.

In einem Interview des Fernsehsenders TF1 bekamen Frankreichs Fernsehzuschauer am Sonntagabend zur besten Sendezeit das Leid der Geiseln direkt vorgeführt. Jetzt sind wieder Journalisten auf dem Weg zu den Geiseln. Sollen sie sich von den Geiselnehmern so einfach instrumentalisieren lassen?

Es ist ein "Glück", wenn Sie so wollen, dass diese Geiselnahme ein so großes Medieninteresse erzeugt. Hätte es die Berichte über die westlichen Geiseln auf Jolo nicht gegeben, wäre die vorangegangene Geiselnahme der Rebellengruppe Abu Sayyaf auf den Philippinen von der Öffentlichkeit nie zur Kenntnis genommen worden.

Bilder, die die Geiseln entwürdigen, sind also besser als gar keine Bilder?

Es ist eine mutige Tat der Journalisten, sich zu den Entführten zu begeben. Die philippinische Regierung hat schließlich auch kein Interesse an der Schlagzeile: Manila unfähig zur Lösung des Geiseldramas.

Ist die Geiselnahme von Jolo ein Einzelfall oder ein Symptom zunehmender Gewalt in der Region?

Man nimmt das in der Öffentlichkeit zwar kaum zur Kenntnis, aber die Piraterie im Chinesischen Meer und rund um die Philippinen hat inzwischen ein Ausmaß angenommen, dass auch Boote von westlichen Touristen angegriffen werden. Beunruhigend ist, dass in Indonesien und auf den Philippinen immer häufiger örtliche Mafiagruppen unter dem Deckmantel des Islam ihren bewaffneten Kampf austragen. Die Fragen stellte Albrecht Meier.

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