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Die Republikaner nach der Wahl : Das neue Amerika hat Obama gewählt

07.11.2012 15:25 Uhrvon
Werden die Republikaner bei der nächsten Wahl auch die Latinos erreichen?Bild vergrößern
Werden die Republikaner bei der nächsten Wahl auch die Latinos erreichen? - Foto: afp

Junge Menschen, Frauen, Latinos und Schwarze haben mehrheitlich Obama gewählt - ein Problem für die Republikaner, denn diese Wählergruppen wachsen in den USA. Der Kampf um ihre konservative Identität hat begonnen.

Der Wahlsieg von Barack Obama deutet auf ein neues Amerika hin. Es ist zunehmend multiethnisch, anti-dogmatisch, solidarisch, tolerant, weniger kirchengebunden. Für Obama stimmten überwiegend junge Menschen, Frauen, Latinos, Schwarze. Das war auch vor vier Jahren so. Überraschend ist, dass sich an dieser Koalition durch die zentralen Wahlkampfthemen – Wirtschaftslage, Staatsverschuldung, Gesundheitsreform – nichts geändert hat.
Weil Minderheiten überproportional von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind, hatten die Republikaner gehofft, in einigen der demokratisch gesinnten Wählergruppen neues Terrain zu erobern.

Doch der Block steht. Mitt Romney kam über seine traditionelle Klientel - vereinfacht gesagt: weiße, verheiratete Kirchgänger – nicht hinaus. „Das ist eine Katastrophe“, sagte noch am Wahlabend der republikanische Parteistratege Steve Schmidt. „Dies muss das letzte Mal gewesen sein, dass die Republikanische Partei versucht hat, auf solche Weise eine Wahl zu gewinnen.“
Der demographische und kulturelle Trend ist eindeutig. Thomas B. Edsall von der Columbia University hat ausgerechnet, dass die Wählerschaft in Amerika alle vier Jahre zwei Prozent weniger weiß und zwei Prozent mehr multi-ethnisch wird. Denn Schwarze, Latinos und Asiaten bekommen mehr Kinder als Weiße. Zwischen 2000 und 2010 stieg die Zahl der „Asian Americans“ um 43,3 Prozent, der „African Americans“ um 12,3 Prozent, der Latinos um 43 Prozent – und die der Weißen um 5,7 Prozent.
Die Zahl der Wahlberechtigten in der Gruppe der Minderheiten steigt also kontinuierlich, sowohl absolut als auch in Relation zur Gruppe der Weißen. Bei gleich bleibendem Wahlverhalten gewinnen die Demokraten durch diesen gewissermaßen demographisch eingebauten Vorteil 1,7 Prozentpunkte hinzu.

Ein weiterer gesellschaftlicher Großtrend ist die nachlassende Kirchenbindung, besonders bei weißen Protestanten. Sie bilden die Stammwählerschaft der Republikaner. Doch während sich vor vierzig Jahren noch zwei Drittel der erwachsenen Amerikaner einer protestantischen Kirche verbunden fühlten, sind es heute nur noch 48 Prozent. Von der Schrumpfung profitieren nun nicht etwa andere Religionsgemeinschaften, sondern die „Nones“, die sich zu keiner Glaubensgemeinschaft zählen. Deren Zahl steigt schnell. Vor vierzig Jahren bezeichneten sich sieben Prozent der Amerikaner als „Nones“, vor fünf Jahren 15,3 Prozent, heute sind es bereits 19,6 Prozent, wie eine Studie des Forschungszentrums Pew ergab. „Nones“ sind überwiegend jung, sind sozial und kulturell linksliberal.
Deutlich niedergeschlagen hat sich der gesamtgesellschaftliche Wandel am Wahltag sowohl in den Referenden zur gleichgeschlechtlichen Ehe und Legalisierung von Haschisch als auch in einigen Senatswahlen. In gleich drei Bundesstaaten – Maryland, Maine und Washington – stimmten die Wähler mehrheitlich für die Homo-Ehe. Das markiert eine historische Wende. Seit 1998 wurde keine der mehr als 30 Volksabstimmungen darüber gewonnen (die einzige Ausnahme in Arizona 2006 wurde zwei Jahre später durch ein zweites Referendum rückgängig gemacht). In sechs Bundesstaaten plus Washington D.C. wurde die Homo-Ehe indes per Parlamentsentscheidung legalisiert.

Obama war der erste Präsident, der sich für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen hat. Auch in dieser Frage bewies er Gespür. Vor acht Jahren noch war eine große Mehrheit der Amerikaner dagegen; im Jahr 2009 waren 49 Prozent dagegen, 41 Prozent dafür; in diesem Jahr sind 49 Prozent dafür und 40 dagegen. Die kulturellen Traditionalisten sind deutlich in der Defensive.

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Eine Recherchekooperation des Tagesspiegels mit dem ARD-Magazin "Fakt".

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