Politik : Die republikanische Präsidentenbewerber kämpfen mit flapsigen Sprüchen um Clintons Erbe

Robert von Rimscha

Der seltsamste Satz des Abends kam von John McCain. "Falls Alan Greenspan stirbt, was Gott vermeiden möge, sollten wir ihn wie im Film ausstopfen und ihm eine Sonnenbrille aufsetzen", meinte der Senator aus Arizona über den US-Notenbankchef grinsend. Der missverständlichste Spruch kam vom anderen führenden Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, George W. Bush. Auf die Frage, was mit Saddam Hussein geschehen sollte, meinte der texanische Gouverneur: "Wir sollten ihn erledigen." Er stellte dann klar, dies beziehe sich nicht auf die Person des irakischen Diktators, sondern auf von diesem in Auftrag gegebene Massenvernichtungswaffen.

Der insgesamt schwach und oft flapsig wirkende George W. Bush galt in den US-Medien vom Freitag als der Verlierer des Premieren-Duells der republikanischen Präsidentschaftskandidaten. McCains Schlusssatz, "Ich bin bereit, Ihr Präsident zu sein!", wirkte am überzeugendsten. Erstmals überhaupt standen sich am Donnerstagabend in Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire alle sechs Anwärter auf die Nominierung auf einer Bühne gegenüber. Senator John McCain überzeugte im direkten Vergleich mit Bush, während der Verleger Steve Forbes versuchte, den Texaner massiv anzugreifen. In New Hampshire liegen Bush und McCain gleichauf, Forbes ist Dritter. Landesweit liegt Bush klar vorn. Er würde aktuellen Umfragen zufolge beide Demokraten, Gore oder Bradley, klar schlagen.

Die deutlichsten Unterschiede zwischen den sechs Kandidaten wurden in der Steuerpolitik offenkundig. Die Positionen reichten vom Radikalismus des ehemaligen UN-Botschafters Alan Keyes, der eine Abschaffung der Einkommenssteuer fordert, über die verschiedenen Befürworter eines einheitlichen "flat tax"-Steuersatzes (Steve Forbes, Gary Bauer, Orrin Hatch) bis zum Reformprojekt Bushs, der drei Steuerklassen einführen und innerhalb der nächsten zehn Jahre 1140 Milliarden Dollar an die US-Bürger zurückgeben möchte. Als "mickrig" bezeichnete dies Forbes; von einem "bloßen Verrücken der Stühle an Bord der Titanic" sprach Bauer. Am vorsichtigsten war McCain, der sich auf die Abschaffung der Erbschaftssteuer sowie der Höherbesteuerung von Ehepaaren konzentrierte und mahnte, den prognostizierten Budgetüberschüssen nicht zu trauen. Die Republikaner im Kongress waren diesen Sommer mit dem Vorschlag eines 792-Milliarden-Steuersenkungspaketes am Veto Clintons gescheitert.

Die Vorwahlen in New Hampshire am 1. Februar, offen für alle Wähler, sind nach den parteiinternen Abstimmungen in Iowa am 24. Januar die zweite Kür von Delegierten für die Parteikonvente im Sommer 2000, die die Präsidentschaftskandidaten offiziell wählen. Praktisch sind die Vorwahlen in Iowa und New Hampshire das entscheidende Barometer für die Wahlchancen der Kandidaten. Bereits im März dürfte feststehen, wer im November 2000 um das Erbe Bill Clintons kämpft. In Iowa hat McCain aufgrund seines Widerstands gegen Farm-Subventionen einen schweren Stand. Er hat dort kaum Wahlkampf gemacht, so dass erwartet wird, dass Forbes hinter Bush landen könnte.

Bush hatte sich allen drei bisherigen Debatten in Folge entzogen und musste sich von allen Konkurrenten außer McCain scharfe Vorwürfe anhören. Gary Bauer, Reagans ehemaliger Innenpolitik-Berater, warf ihm vor, sich nicht auf die Berufung eines Abtreibungsgegners als Vizepräsidenten festzulegen. Forbes warf Bush vor, Rentenbetrug durch das Heraufsetzen des Einstiegsalters zu begehen, ein mangelndes Bekenntnis zur Steuerfreiheit des Internet-Handels abzulegen und sich nicht auf die Abschaffung der Kapitalertragssteuer festzulegen. Hatch behauptete, Bushs Homepage im Internet sei nicht benutzerfreundlich. Im Kampf um die streng-konservative, christliche Rechte versuchte Bauer, Forbes als Kandidaten der Großindustrie zu porträtieren, der die Renten durch seine Privatisierungspläne gefährde.

McCain attackierte Bush kein einziges Mal, Bush ebenfalls keinen seiner Konkurrenten. "John ist ein guter Mann", flocht der texanische Gouverneur in eine seiner Antworten ein. Nach der Redeschlacht schüttelten sich die beiden Führenden lange und herzlich die Hand. McCain betonte zuvor ein ums andere Mal, Brücken zu bauen und versöhnend wirken zu wollen. Er beklagte, die Republikaner seien ebenso wie die Demokraten im Griff der mächtigen Interessengruppen. Ihm gehe es vorrangig darum, die Jugend zu inspirieren und Amerika davon zu überzeugen, dass man auf die Regierung stolz sein könne. Dies kollidierte mit den Tiraden des 500 Millionen Dollar reichen Verlegers Steve Forbes, der in jedem Satz seine Außenseiter-Rolle und seine Berufsbezeichnung als Nicht-Politiker betonte. Während Forbes "Washington beibringen will, wie man dient", will McCain eine reformierte Regierung, die Amerikas Gesellschaft einigt.

Bush antwortete wieder und wieder mit Stücken aus seinen vorbereiteten Wahlkampfreden. Mehrfach versuchte er, seine Qualifikation zu belegen, indem er auf seine Gouverneurstätigkeit in Texas verwies. Wäre Texas ein Staat, so Bush zweimal in wortgleichen Formulierungen, wäre es der Wirtschaftskraft nach der elft-größte der Welt. Nur er habe solche Regierungserfahrung. Außenpolitik betreibe er seit Jahren durch diffizile Verhandlungen mit Mexiko. Als sich die Moderatoren darum bemühten, dieses Muster zu durchbrechen und den Sohn des Ex-Präsidenten darum baten, doch einmal zu berichten, was er so lese, geriet Bush ins Stocken. Er lese vier Zeitungen. "Ob ich daraus etwas lerne, dessen bin ich mir nicht so sicher", grinste George W. Bush.

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