Politik : Die Resignierte

Ruth Ciesinger

Da ist jemand nicht im Reinen mit seinen Leuten: "Der Riss in meinem Verhältnis zur Partei und auch zur Fraktion ist ziemlich tief", sagt Annelie Buntenbach. "Die Grünen waren früher mal ein selbstverständliches Zuhause, und das ist eben nicht mehr so." Was Buntenbach da äußert, klingt brandaktuell, tatsächlich hat das Gespräch mit der "Tageszeitung" schon vor mehr als zwei Jahren stattgefunden. Damals ging es um das Kosovo-Mandat der Bundeswehr, und schon damals hatte die Fundi-Frau und Anti-Militaristin extreme Schwierigkeiten mit der Entscheidung der Bundesregierung. Sie dachte zum ersten Mal laut über einen Parteiaustritt nach.

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Jetzt gehört die 46-Jährige mit den auf praktische Kurzhaarlänge getrimmten Haaren wieder zu den "Dissidenten" ihrer Partei. Vor rund 20 Jahren trat sie der "Bunten Liste" bei. So hießen damals die Bielefelder Grünen. Sowohl äußerlich wie auch innerlich scheint Buntenbach sich von den damaligen Idealen nicht entfernt zu haben. Die große Frau, mehr als einen Meter 80 misst sie, trägt weite Strickpullover und Jeans. Die Durchsetzung von Menschenrechten durch militärische Mittel scheint ihr absurd. Zusammen mit den Parteifreunden Christian Ströbele und Winfried Hermann hatte sie sich auch schon gegen den Einsatz der Bundeswehr in Mazedonien ausgesprochen, die Vertrauensfrage verknüpft mit einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan war mit ihr nicht zu machen. Sie halte "die deutsche Beteiligung für falsch", erklärte Buntenbach, und bei dieser Meinung blieb sie auch trotz heftiger Umstimmungsversuche von Fraktionskollegen.

Weil Buntenbach wieder einmal ihre politischen Überzeugungen nicht zu Gunsten einer handlungsfähigen Regierung aufgeben wollte, erlebt sie jetzt ein Medienspektakel um ihre Person, das ihr allem Anschein nach ziemlich unangenehm ist. Wenn Reporterteams sie in ihrem Büro belagern, sieht sie ausgesprochen müde aus, ihre Stimme klingt ruhig und ein bisschen resigniert. Buntenbach ist gelernte Setzerin, mehrere Jahre hat sie auch als solche in einem Bielefelder Betrieb gearbeitet, den sie zusammen mit Freunden gegründet hat. Schon vor zwei Jahren gab es die Überlegung, aufzuhören mit der ganz großen Politik, und wieder dort zu arbeiten. Jetzt ist für Buntenbach das Maß wohl endgültig voll.

In einer persönlichen Erklärung teilte die Abgeordnete schon vor zwei Wochen am Ende einer Mitgliederversammlung den Parteifreunden in Bielefeld mit, sie werde bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr kandidieren. Neben der Parteillinie zum US-Militäreinsatz in Afghanistan nannte sie den Kurs der Grünen in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Die Partei und sie selbst hätten sich zu weit auseinander entwickelt. Zu dem Zeitpunkt hatten die USA den Bundeswehreinsatz in Afghanistan noch gar nicht angefragt.

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