Politik : Die „Rote Fini“ kämpft für Novum

Gesellschafterin: Ostberliner Firma gehörte nicht der SED

Kerstin Gehrke

Mehr als ein Jahrzehnt lang hat die Wiener Kommerzialrätin Rudolfine Steindling, in der Branche „Rote Fini“ genannt, jeden Deutschland-Besuch vermieden. Sie fürchtete Schwierigkeiten mit der Justiz. Mitte der 90er Jahre wurde sie wegen des Verdachts der Veruntreuung von SED-Geldern sogar mit internationalem Haftbefehl gesucht. Weil die Berliner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen Anfang dieses Jahres eingestellt hat, kam die 68-Jährige am Dienstag nach Berlin, um im Streit um das Millionen-Vermögen der früheren Ost-Berliner Firma Novum vor dem Berliner Oberverwaltungsgericht zu kämpfen. „Für mich stand immer außer Zweifel, dass die Novum Eigentum der Kommunistischen Partei Österreichs war“, sagte die letzte Gesellschafterin des Unternehmens. Novum sei nie im Besitz der SED gewesen. Der Rechtsstreit um die etwa 225 Millionen Euro Novum-Vermögen läuft seit zwölf Jahren. Die Richter müssen klären, ob die frühere Handelsfirma der SED oder der KPÖ zuzuordnen ist. Die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) stützt sich in ihrer Position, die Novum sei ein DDR-Unternehmen gewesen, auf Erklärungen der österreichischen Geschäftsfrau von 1978 und 1983. Darin hatte sie unterschrieben, für die SED-Vermögensholding Zentrag treuhändersich als Gesellschafterin von Novum tätig zu sein. Den Richtern versicherte Steindling nun: „Ich habe niemals akzeptiert, Weisungen der SED oder von der Zentrag zu akzeptieren.“

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