Die Sarkozys : Scheidung auf französisch

Die Trennung von Nikolas und Cécilia Sarkozy wirft die Frage auf, ob sie dem Wahlvolk lange Zeit etwas vorgemacht haben.

Rudolf Balmer[Paris]

„Wir haben alles versucht, doch es war nicht mehr möglich“, erklärte Cécilia Sarkozy in einem Interview zum Scheitern ihrer Ehe mit dem französischen Präsidenten. Ihre Scheidung schockiert die Franzosen nicht, aber sie wirft Fragen auf. Noch am Donnerstagmittag hatte David Martinon, Sprecher des französische Staatschefs, auf seiner Pressekonferenz sichtlich verärgert fünfmal wiederholt, er werde die Scheidungsgerüchte nicht kommentieren. Schon kurz danach flatterte dann ein offizielles Kommuniqué in die Redaktionsbüros, auf dem lakonisch mitgeteilt wurde: „Cécilia und Nicolas Sarkozy haben sich im gegenseitigen Einverständnis getrennt. Sie geben dazu keine Erklärung ab.“ Getrennt? In Wirklichkeit waren sie seit Montag bereits geschieden. Das musste auch das Präsidialamt kurz darauf widerwillig bestätigen. Selbst wenn Nicolas Sarkozy das definitive Scheitern seiner Ehe vielleicht noch bis nach dem EU-Gipfel in Lissabon kaschieren wollte, drängte offenbar seine Ex-Gattin auf eine rasche Klärung in der Öffentlichkeit.

Ihre Anwältin, Michèle Cahen, erzählte bereits den Medien, dass am Montag die beiden zum Scheidungsrichter gegangen waren und dort die letzten Details geregelt hatten. Und schon am Ende der vergangenen Woche hatte Cécilia Sarkozy einem befreundeten Journalisten der Zeitung „L’Est Républicain“ ein Interview gewährt, das nun am Freitag mit ihrer Zustimmung veröffentlicht wurde. Es handelt sich nicht um eine Abrechnung. Sie schwärmt sogar von einem „Staatsmann, der in der Lage ist, viel für Frankreich und die Franzosen zu tun“ und der mit der Macht wie mit einer „Stradivari“-Geige umgehe.

Dass sie bis auf weiteres kein böses Wort über ihn verliert, gehört vielleicht zu den Abmachungen, die es ihr ermöglichten, in so kurzer Zeit die Scheidung zu vollziehen, von der Nicolas Sarkozy nichts wissen wollte. Rechtlich waren ihr die Hände gebunden, denn aufgrund seiner in der Verfassung verankerten Immunität kann der Staatschef auch bei einem bloßen Ehestreit nicht vor einen Richter zitiert werden.

So nimmt denn Cécilia die Schuld auf sich. Sie sei nicht für die Rolle einer First Lady geschaffen und entspreche nicht dem Bild, das man sich von ihr gemacht habe. Sie liebe den Schatten, brauche Diskretion und Ruhe. So sei sie vom G-8- Treffen in Heiligendamm unvermittelt abgereist, weil sie sich deplatziert vorgekommen sei. Und sie sei nicht zur Wahl gegangen, weil sie sich nicht zeigen wollte. Es fällt schwer, dem ehemaligen Mannequin das zu glauben. So öffentlichkeitsscheu kannte man sie nicht, als sie die zwanzigjährige Politikerkarriere von Nicolas Sarkozy als engste Mitarbeiterin begleitete und unterstützte.

Sie erzählt auch mit Scham von ihrem Seitensprung 2005 und von ihrer Rückkehr zu Sarkozy, der sie aus persönlichen, aber auch politischen Gründen an seiner Seite brauchte. Diesbezüglich werden sich die Franzosen doch fragen müssen, ob man sie bei der Wahlkampagne mit der von den Kommunikationsexperten inszenierten Idylle eines wiedervereinten Paars nicht getäuscht hat.

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