Politik : Die Schau gestohlen

Vincenzo delle Donne

Eigentlich hätte die römische proamerikanische Demonstration am Samstag, zu der die konservative Zeitung "Il Foglio" unter dem einstigen Forza-Italia-Ideologen Giuliano Ferrara aufgerufen hatte, ein Großereignis werden sollen. Und entsprechend war die Rednerliste der vierstündigen Marathonveranstaltung auf der römischen Piazza del Popolo mit illustren Persönlichkeiten aus Politik und Showbranche bespickt. Regisseur Franco Zeffirelli redete, Tenor Andrea Boccelli sang, und mit den 40 000 Demonstranten schmetterten sie Hymnen und schwangen hauptsächlich US-amerikanische und italienische Banner. Ein erstaunlich moderater Ministerpräsident Silvio Berlusconi schloss schließlich die Veranstaltung mit den Worten: "Wir sind alle New Yorker."

Doch die Freude der Organisatoren hielt sich am Tag danach in Grenzen. Die Globalisierungsgegner hatten ihnen nämlich die Schau gestohlen. Zeitgleich demonstrierten sie friedlich in Roms Innenstadt gegen Krieg und Terror - und entschieden den Wettmarsch mit 130 000 Demonstranten klar für sich. Die Stadt war im Belagerungszustand. Aus Furcht vor Attentaten aus der Luft herrschte zeitweise gar ein Überflugverbot.

Tatsächlich war die Bush-Regierung durch manche unbedachte Entscheidung und PR-Panne beim italienischen Verbündeten angeeckt. Präsident George W. Bush vergaß so im Eifer des Wortgefechtes beispielsweise, Italien bei der Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu nennen. Bei den Konsultationen mit den wichtigsten Nato-Verbündeten wurde die Berlusconi-Regierung kaum berücksichtigt. Und erst auf Drängen der italienischen Regierung entschloss sich Bush, Berlusconi in Washington zu empfangen. Damit nicht genug der "Demütigungen": Erst nach heftigen Protesten wurde die Berlusconi-Regierung zu den EU-Konsultationen des "Triumvirats" Deutschland-Großbritannien-Frankreich zugelassen werden, bei denen dann über ihren Einsatz im Krieg in Afghanistan beraten wurde.

Doch die Berlusconi-Regierung nebst Parlament ist nicht nachtragend. Mit 513 Ja- zu 35 Nein-Stimmen stellte die römische Abgeordnetenkammer am Mittwoch 2700 Soldaten von Heer, Luftwaffe und Marine sowie acht Tornados nebst militärischem und logistischem Gerät zur Verfügung.

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