Politik : Die Scheich-Connection

Ein Mitglied der Herrscherfamilie in Katar soll einen Führer der Al Qaida unterstützt haben – mit Geld, Jobs und falschen Papieren

Andrea Nüsse[Amman]

Die Nachricht ist pikant. Ein Mitglied der Herrscherfamilie des Golf-Emirates Katar soll das Al-Qaida-Terrornetzwerk unterstützt haben, das für die Anschläge des 11. September verantwortlich gemacht wird. Das berichtet das ARD-Magazin Panorama. Das Inselreich Katar im Persischen Golf ist ein enger Verbündeter der USA und beherbergt derzeit das Zentralkommando der US-Streitkräfte. General Tommy Franks leitet von hier aus Amerikas Feldzug gegen Irak. Nach Angaben der ARD soll Scheich Abdullah bin Khalid al Thani, der laut Auswärtigem Amt Innenminister des Landes ist, den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, Khalid Scheich Mohammed unterstützt haben. Dieser wurde vor kurzem in Pakistan festgenommen. Außerdem soll das Mitglied der Herrscherfamilie Geld an Al Qaida gespendet haben. Der US-Sender „ABC“ berichtete schon Anfang Februar auf seiner Website, dass das FBI den mutmaßlichen Terroristen Scheich Mohammed 1996 in Doha, der Hauptstadt Katars, aufgespürt hatte. Die Festnahme scheiterte jedoch damals, weil der Gesuchte gewarnt wurde und floh. Der FBI-Agent Jack Cloonan, der die Aktion damals leitete, erklärte im Gespräch mit „ABC“, dass Scheich Mohammed offenbar eine Warnung erhalten hatte, nachdem das FBI die katarischen Behörden eingeweiht hatte. Angeblich soll bereits ein US-Regierungsflugzeug bereit gestanden haben, das den Gefangenen in die USA ausfliegen sollte. Auch Rohan Gunaratna, Autor des Buches „Inside al-Qaida“, glaubt an Kontakte zwischen Al Qaida und dem katarischen Königshaus. „Das ist gut dokumentiert“, wird Gunaratna zitiert.

Amerikanische Geheimdienste gehen dem Vernehmen nach davon aus, dass Scheich Mohammed mit einem katarischen Pass fliehen konnte. Angeblich soll er zuvor sogar einen Job im Wasserministerium und ein Haus zur Verfügung gehabt haben. Den gleichen Quellen zufolge hat Osama bin Laden den katarischen Scheich Abdallah bin Khalid al Thani zwischen 1996 und 2000 in Katar mehrfach besucht. In den Golfländern gibt es große Sympathien für Bin Laden, der sich zunächst dem Kampf gegen die amerikanische Präsenz auf der Golf-Halbinsel widmete, bevor er dem Westen den Krieg erklärte. Kritiker haben den USA vorgeworfen, trotz mangelnder Beweise Irak mit Al Qaida in Verbindung bringen zu wollen, obwohl enge Verbündete Washingtons wie Saudi-Arabien oder Pakistan nachgewiesenermaßen zumindest in der Vergangenheit Verbindungen zu den Terroristen gehabt hätten.

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