Politik : …die Schlingensiefs was sagen

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Es war uns schon ein wenig bang um die Demokratie, als Christoph Schlingensief neulich per „BZ“Interview mitteilte, er wolle vom Deutschen Theater aus eine „Theaterrakete in Richtung Reichstag abschießen“. Ein drastisches Bild für einen Neuanfang auf mürben Brettern, mag sein. Aber wenn Schlingensief so etwas sagt, muss man stets mit dem Äußersten rechnen, sogar damit, dass er das ganze olle Theater incl. Schnürboden und Garderobe in den Reichstag donnert und oben einen toten Hasen in SS-Uniform drauflegt, um damit seinen Weltschmerz und den seiner Zuschauer angemessen zu artikulieren.

Allerdings: Hat er es überhaupt gesagt? Eine weitere Äußerung des Meisters legt Zweifel nahe. Der Schlingensief nämlich, mit dem die „BZ“-Redakteurin da in Oberhausen telefoniert habe, sei sein Vater gewesen, sagt er, und so bestehe das ganze Interview überwiegend aus dessen Äußerungen. Immerhin klingen die hundertprozentig schlingensiefsch und lassen so auch den Vater des Regisseurs als höchst passablen Kandidaten erscheinen. Herr Flierl! Hallo!

Nur weiß man leider nie. Jeder ordentliche deutsche Kulturredakteur hat ja den Schlingensief-Sound drauf, kann ohne großes Nachdenken Sätze hinschmeißen wie „Man muss mit der Kunst alle Grenzen sprengen und diese ewige deutsche Selbstbespiegelung aufbrechen!“ Oder Erkenntnisse wie, „dass Herr Brecht und Herr Schiller nun einmal tot sind und von unserem Leben keine Ahnung haben“.

Ohnehin. War wirklich der Vater dran, oder sagt Schlingensief nur, dass er es war? Wurde das Gespräch möglicherweise von der Mutter der Redakteurin geführt, die falsch verbunden war und irgendwelche Bemerkungen über das Theater mit den Riesengarnelen im Reichstags-Restaurant falsch verstanden hat? Wird es ein drittes Interview geben, in dem Schlingensief uns nun mitteilt, er werde mit seinem Vater eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen und schlage statt dessen Rudi Völler als neuen DT-Intendanten vor?

Oh, es ist alles so verwirrend. Am Ende, das ist sicher, wird der Senator irgendeine Entscheidung treffen, wir werden uns fragen, ob er selbst drauf gekommen ist? Vermutlich, das zeigt diese Affäre, werden die Väter heute einfach unterschätzt. Sie bringen locker, was ihre Söhne nur anstreben, blicken durch und schaffen was weg.

Am besten wäre vermutlich, die Herren Brecht und Schiller würden sich die Intendanz brüderlich teilen. Ja, die sind tot. Aber Schlingensief kann da sicher noch was dran machen. Oder sein Vater. bm

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