Politik : Die Schüler in Deutschland werden besser Kultusminister sehen bei Pisa-Studie eine Wende

Böger: Noch lange nicht da, wo wir hinwollen

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Berlin Die deutschen Schüler holen in der Bildung schneller auf als erwartet und sind auf dem Weg in die internationale Spitze. Dieses Fazit haben die Kultusminister der Länder bei der Vorstellung der Pisa-Studie am Donnerstag in Berlin gezogen. Nachdem Deutschland beim ersten Zyklus des internationalen Vergleichs im Jahr 2000 vor allem bei der Lesefähigkeit alarmierend schlecht abgeschnitten hatte, setzten sich die Kultusminister der Länder das Ziel, „in einer Dekade“ den Anschluss an erfolgreiche Nationen wie Finnland und Kanada zu schaffen. Die jetzt von Bildungsforschern veröffentlichte Länderauswertung zeige: „Deutschland wird diesem Ziel schon 2006 nahe kommen“, sagte die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU).

Tatsächlich haben die schon im Jahr 2000 erfolgreichsten Länder, Bayern und Baden-Württemberg, zur internationalen Spitzengruppe aufgeschlossen. Zwei weitere Länder fanden den Anschluss an überdurchschnittliche Kompetenzen in Mathematik, Lesefähigkeit, Naturwissenschaften und Problemlösung: Sachsen und Thüringen. Damit habe sich die Kluft zwischen Ost und West verringert.

Die Kultusminister und auch der Kieler Bildungsforscher Manfred Prenzel, der die deutsche Pisa-Studie 2003 leitet, machen in erster Linie einen Mentalitätswechsel für den Aufstieg etlicher Bundesländer verantwortlich. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) sagte, bei den Schülern gebe es eine „gestärkte Leistungs- und Lernbereitschaft“. Das Bildungssystem sei insgesamt in Bewegung gekommen, betonte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD). Das Signal „Anstrengung lohnt sich“ sei auch in den Schulen angekommen. Ahnen rief dazu auf, sich jetzt auf Hilfe für die immer noch zu große Risikogruppe der Schüler zu konzentrieren, die in allen bei Pisa getesteten Bereichen nur niedrige Kompetenzstufen erreichen.

Deutlich kritischer äußerte sich gestern die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie warnte die erfolgreichen Bundesländer, sich mit den Ergebnissen zufrieden zu geben. „Für ein selbstgefälliges Schulterklopfen gibt es keinen Grund“, sagt Marianne Demmer, stellvertretende GEW-Vorsitzende. Noch immer sei in Deutschland der Bildungserfolg von Jugendlichen so stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig wie in keinem anderen Land der Welt. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth forderte ein gerechteres Bildungssystem: „Es ist beschämend, dass es in Deutschland nicht gelingt, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Schichten zu integrieren.“ Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) forderte den Ausbau von Ganztagsschulen und der Frühförderung.

Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hatte am Donnerstag keinen Grund zur Freude. Die Hauptstadt schnitt relativ schlecht ab. In drei der vier getesteten Kompetenzen erreichten die Berliner Schüler nur unterdurchschnittliche Ergebnisse. „Das Ergebnis ist ein Ansporn“, sagte Böger, „aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen.“ Er erklärte das schlechte Abschneiden auch mit den schlechten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in Berlin.

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