DIE SCHULE DER POLITIK : "Wir verdanken ihm viel"

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Marco Giovagnorio (24) ist Kommunalpolitiker und Mitglied in Berlusconis Partei.

Ich bin zufrieden mit der Regierung. Kaum einer denkt daran, was gerade junge Leute Berlusconi verdanken, zum Beispiel die Abschaffung der Wehrpflicht, dieses verlorene Jahr für Ausbildung oder Studium. Und er weiß auch, was die Leute brauchen. In Neapel hat er den Müllnotstand beendet, 2004 hat er die kleinsten Sozialrenten und die Minigehälter erhöht. Davon habe ich selbst profitiert. Ich halte Berlusconi auch nicht für einen, der keine Regeln beachtet. Die Leute hätten ihn doch sonst nicht gewählt. Dinge wie seine Gerichtsverfahren oder die Gesetze, die angeblich ihm gedient haben – einiges davon kann ich auch nicht beurteilen. Aber viele, die behaupten, Italien würde zu einer Diktatur, die wissen gar nicht, was das heißt. In die Politik bin ich mit 16 Jahren gekommen. Das hatte aber damals wenig mit dem Wahlsieg von Mitte-rechts zu tun, sondern mit meinen Erfahrungen in meiner Stadt, in Rom. Meine politischen Werte sind katholisch geprägt, ich glaube an die Familie. Für Mitte-rechts habe ich mich schon früh entschieden und das hat mir an meiner Schule, wo ich drei Jahre lang Schülersprecher war, bei vielen Lehrern sehr geschadet. Bei uns wird einfach alles in das Links-rechts-Schema gepresst. Es gibt linke und rechte Nachrichtensendungen, linke und rechte Zeitungen. Ich wollte aber an der Schule keinen Hut aufsetzen. Ich finde, es kann auch nicht sein, dass Gabriele D’Annunzio, einer unserer größten Dichter, an den Schulen immer weiter abgedrängt wird, weil er als Rechter gilt. Ich bin jetzt im 18. Bezirk von Rom Vorsitzender des Schulausschusses. Als ich die Schulen in meinem Bezirk besuchte – in Rom hat jahrzehntelang die Linke regiert – waren da alle erstaunt: Sie hätten hier seit Jahren keinen aus der Verwaltung gesehen. Persönlich bin ich sehr zufrieden. Natürlich ist die Lage in dieser Krise nicht rosig. Aber Angst motiviert einen auch, die Ärmel aufzukrempeln. Ich mache demnächst mein Juraexamen und ich habe schon mehrere wichtige politische Erfahrungen gemacht. Überall habe ich versucht dazuzulernen. Wer weiß, ob nicht eine Option zerbröselt. Und schließlich leben wir ja nicht nur, um unsere Interessen zu verfolgen. Ich bin zuversichtlich.

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