Politik : Die Söldner von einst - Terroristen von heute?

Claudia Lepping

Das bosnische Netz zur Al Qaida ist zerschlagen, da ist sich die internationale Friedenstruppe für Bosnien (Sfor) sicher. Sechs Algerier, die Sfor festgenommen hat, sollen enge Kontakte zu dem Terrornetz des saudischen Moslemextremisten Osama bin Laden haben. Zuletzt hatte es in Bosnien eine ganze Serie von Verhaftungen gegeben, darunter zwei Iraker, ein Sudanese und ein Libyer. Auch Angehörige der Hilfsorganisation "Islamic Relief" wurden festgenommen.

Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen
Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus
Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Während des Bosnien-Krieges zwischen 1992 und 1995 hatten unzählige Söldner und Freiwillige aus islamischen Ländern an der Seite ihrer Glaubensbrüder in Bosnien gegen Serben und Kroaten gekämpft. Die bosnischen Moslems waren die ersten Opfer der Vertreibungskriege; erst 1995 hatte sich die Nato entschieden, die "ethnischen Säuberungen" mit Luftangriffen gegen serbische und kroatische Stellungen zu beenden.

"Die Bosnier haben damals nicht zweimal nachgefragt, wer ihnen da aus der islamischen Welt zur Hilfe kommt", sagt Patrik Volf aus dem Stab des internationalen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch. Zwar habe der Dayton-Friedensvertrag vorgeschrieben, dass alle nichtbosnischen Militärangehörigen das Land verlassen; viele der Kämpfer hat die bosnische Regierung nach 1995 aber eingebürgert. Inzwischen prüft eine Kommission sämtliche Staatsbürgerschaftsverleihungen zwischen 1995 und 1997.

Sfor hat keine Anzeichen dafür, dass in Bosnien Al-Qaida-Anhänger ausgebildet worden sind. Möglich sei vielmehr, dass dort Konten und gefälschte Papiere für Mitglieder der Organisation im Umlauf waren. Belgrad, der frühere Kriegsgegner Bosniens, unterscheidet nicht so genau: Jugoslawische Medien diffamieren das Land unverhohlen als "Terroristennest" - auch, um den Bosnienkrieg im nachhinein zu rechtfertigen.

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