Politik : …die Sonntagskinder kommen

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Heute ist Sams…, pardon: Sonnabend. Das ist der Tag, an dem man sich auf den Sonntag vorbereiten muss, was der maskuline Teil des deutschen Volks bekanntermaßen sehr gerne mit der Trias: Rasenmähen, Autowaschen, BundesligakonferenzHören erledigt. In Letzterer wird gelegentlich auch schon mal der „Sonntagsschuss“ gepriesen. Natürlich ist das eine kalendarische Unkorrektheit, die im Übrigen ebenso nonchalant hingenommen wird, wie so manches Urteil über allzu wolkige Politiker-Rhetorik – na, da habe wohl einer mal wieder eine typische „Sonntagsrede“ gehalten!

Ja. Und sonst ist uns Älteren noch das „Sonntagsfahrverbot“ erinnerlich, was, wenn uns die Erinnerung nicht trügt, allerdings tatsächlich auf einen Sonntag fiel – und wofür damals selbstredend die fortschrittsfeindlichen Sozis die Verantwortung trugen.

Noch was? Doch, aber nur vom Hörensagen. Bevorzugterweise im ländlichen Raum muss es früher so etwas wie die Institution eines „Sonntagsgeldes“ gegeben haben. Ein, zwei Groschen für das Kind, auf dass es sich zur Belohnung einen Lutscher kaufen konnte, wenn es es denn geschafft hatte, den Vater tatsächlich noch rechtzeitig vor dem Mittagessen aus der Kneipe zu holen.

Im Erfolgsfall hat die Mutter damals womöglich gesagt: Schatz, du bist ein Sonntagskind – und das hat natürlich ganz enorm zur Stabilität des Familienfriedens beigetragen. Korrekt allerdings ist auch das nicht.

Als „Sonntagskinder“ gelten nämlich der Definition nach nur solche, die tatsächlich an einem Sonntag geboren wurden, allenfalls vielleicht noch an einem Feiertag, einem Karfreitag zum Beispiel.

Die International University Bremen hat jetzt in einer ziemlich groß angelegten Studie herausgefunden, dass es dem „Sonntagskind“ in diesem Land möglicherweise irgendwann einmal so gehen wird wie dem „Sonntagsfahrverbot“. Man erinnert sich dunkel, dass da mal was war, aber eigentlich gibt es so etwas nicht mehr.

Ein erstaunlicher Befund, denn vorderhand hätte man eher vermutet, dass wegen oben beschriebener Sams… pardon, Sonnabendaktivitäten („Moment noch Schatz, gleich fahren wir in die Klinik, ich hör nur noch schnell die Bundesligakonferenz zu Ende…“) die Zahl der Sonnabendkinder rückläufig sein müsste. Ist aber nicht so. Leider geht es hier nämlich nicht um Gefühle, sondern ums Geld. Immer mehr Hebammen und Ärzte versuchen nämlich kostspielige Wochenendgeburten zu vermeiden. Was sie in Kauf nehmen: Sie machen damit unsere Sprache ärmer! Vbn

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