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Die soziale Landkarte : Wo Armut wohnt

21.12.2012 00:00 Uhrvon

In Berlin und im Ruhrgebiet nimmt die Armutsgefährdung am schnellsten zu. Das hat der Paritätische Wohlfahrtsverband festgestellt. Was sind die Ursachen?

Es ist ein alarmierender Befund: Berlin ist neben dem Ruhrgebiet die deutsche Region, in der die Armutsgefährdung am stärksten zunimmt. Und bundesweit hat die Quote der Armutsgefährdeten im Jahr 2011 mit 15,1 Prozent ihren Höchststand seit der Vereinigung erreicht – gegenüber dem Jahr davor stieg sie so stark wie nie. Betroffen sind inzwischen 12,4 Millionen Menschen, eine halbe Million mehr als 2010. Das sind die Ergebnisse des Armutsberichts, den der Paritätische Wohlfahrtsverband am Donnerstag vorlegte. In Berlin und dem Ruhrgebiet hätten sich „geradezu dramatische Verwerfungen ereignet“, konstatierte Verbandsgeschäftsführer  Ulrich Schneider.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte der Nachrichtenagentur dpa, man müsse die Ergebnisse des Berichts „ernst nehmen und entsprechend darauf reagieren“. Auch wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt steige die Gefahr der Schieflagen. „Diesen Verwerfungen müssen wir begegnen.“ Dazu gehörten bessere berufliche Qualifizierungsmöglichkeiten und die Einführung eines Mindestlohns.

Warum hat die Armutsgefährdung in Deutschland so zugenommen?

Der Wohlfahrtsverband nennt dafür vor allem einen Grund: die Ausweitung geringfügiger Beschäftigung. Auffällig sei nämlich, dass die Armutsgefährdung zugenommen habe, obwohl die Zahl der Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger im gleichen Zeitraum weiter gesunken sei. Das, so Schneider, sei „ein unübersehbarer Fingerzeig auf Niedriglöhne und prekäre, nicht auskömmliche Beschäftigungsverhältnisse“. Immer mehr Menschen hätten Arbeit, könnten von ihr aber nicht mehr leben. Offensichtlich würden die statistischen Erfolge der Arbeitsmarktpolitik „mit einer Amerikanisierung des Arbeitsmarktes (...) erkauft“. Hinzu kämen noch etliche sozialpolitische Sparmaßnahmen. Als Beispiele nannte Schneider die Streichung des Elterngeldes für Hartz-IV-Empfänger, die Abschaffung der Energiekostenkomponente beim Wohngeld oder das Auslaufen von Programmen für Langzeitarbeitslose.

Wo gibt es besonders viele arme Menschen?

Die größten Problemregionen sind Berlin und das Ruhrgebiet. Was sich hier ereigne, komme „einem armutspolitischen Erdrutsch gleich“, sagt Schneider. In Berlin sprang die Armutsgefährdungsquote von 19,2 auf 21,1 Prozent, im nordrhein- westfälischen Revier von 17,4 auf 18,9 Prozent. In Duisburg stieg die Gefährdungsquote seit 2006 um mehr als 45, in Essen seit 2007 gar um 57 Prozent. Hamburg legt in nur einem Jahr um zehn Prozent zu. Bayern und Baden-Württemberg dagegen glänzen mit weitgehend konstant gebliebenen Quoten von etwas mehr als elf Prozent. Interessant bei alledem: Die Schere zwischen Ost und West schließt sich beim Thema Armut zunehmend. Die Annäherung sei in etwa gleichen Teilen auf eine Verbesserung der Situation im Osten und eine Verschlechterung der Lage im Westen zurückzuführen, heißt es in dem Bericht. Auffallend ist weiterhin, dass auch die Armutsgefährdung von Bürgern mit Migrationshintergrund abnimmt.

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