Politik : Die SPD an Rhein und Ruhr gibt sich noch nicht verloren

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Gerhard Schröder hatte schon fast 20 Minuten geredet. Er hatte noch einmal an den Irak Krieg erinnert, für seinen Widerstand gegen George W. Bush genauso höflichen Beifall bekommen wie beim Thema Dienstleistungsrichtlinie. Das Publikum in der Dortmunder Westfalenhalle folgte ihm aufmerksam, aber meistens blieb es auf den mit gut 8000 Menschen besetzen Rängen eher ruhig; für den Auftakt zum Schlussspurt in der Wahlauseinandersetzung mit der CDU im größten Bundesland vielleicht sogar zu ruhig. Schröder spürte das, zumal ihm natürlich nicht entgangen war, dass auch Peer Steinbrück, der Spitzenkandidat der Genossen, zuvor eher das Florett als den großen Säbel geschwungen hatte. Also erhöhte Schröder das Redetempo, und es passte gut, weil er gerade von den Mühen der Reformen geredet und selbst das kritische Thema Hartz IV nicht ausgelassen hatte, was ihm glatt den einen oder anderen Unmutspfiff eintrug. Nun aber wechselte er die Tonlage, und mit einem Male waren die Genossinnen und Genossen ganz nah bei ihm. „Wir haben die Reformen und Verbesserungen gemacht, und jetzt erwarte ich, dass die Unternehmer Menschen einstellen und nicht entlassen oder die nächste Forderung stellen“, rief er in den Saal, und die Menge klatschte mit einem Male so kräftig, wie sie es an diesem Abend noch nicht getan hatte.

Natürlich kennt auch Schröder die Umfragen sechs Wochen vor der Wahl, und sie ließen ihn genauso wenig kalt wie die wahlkämpfende Truppe in NordrheinWestfalen. Dass die CDU von den Demoskopen bald zehn Punkte vor der CDU platziert wird, zählt vor allem deshalb zu den unguten Nachrichten, weil es die eigene Truppe lähmt. Dagegen wollten sie bei diesem Wahlkampfauftakt am Samstagabend ankämpfen, hatten sie bei ihrem kurzen Vorgespräch verabredet. Immerhin hatten die Wahlforscher den SPD-Spitzenleuten auch berichtet, dass vor allem die bildungsferneren Schichten in der eigenen Klientel überhaupt noch nicht realisiert haben, dass gewählt wird. „Jetzt wird von Spaß auf Ernst umgestellt“, rief deshalb Landesparteichef Harald Schartau in den Saal und warnte die schon siegestrunkene CDU: „Wir springen jetzt auch ins Schwimmbecken.“

Steinbrück beherzigte dies auf seine Weise, was bedeutet, dass er die Themen zwar zuspitzte, sich aber zu der im Wahlkampf üblichen Polemik nicht hinreißen ließ. Noch immer gesteht er zu, dass „die Verteilung der Deppen auf die Parteien nicht anders als in der sonstigen Bevölkerung ist“. An zwei Punkten wird er allerdings für seine Verhältnisse deutlicher als in der Vergangenheit. Als er über den Kündigungsschutz, die Tarifverträge und die Mitbestimmung redet, hämmert er gegen die Union: „Die CDU hat ein anderes Gesellschaftsmodell.“ Für den Urnengang zwischen Rhein und Weser bedeutet das nach seiner Meinung: „Es ist eine Richtungswahl.“

Dass die noch nicht verloren ist, schärft Gerhard Schröder den lieben Freundinnen und Freunden am Ende seiner Rede ein. Er ruft die Bilder aus dem Wahlkampf 2002 in Erinnerung, er lag sechs Wochen vor Schluss so weit hinter Edmund Stoiber, dass der schon überall mit „Herr Bundeskanzler“ angeredet worden sei. Schröder versammelte sich damals mit seinen Sozialdemokraten in der Dortmunder Westfalenhalle, und sie haben am Ende gewonnen. „Genauso wie wir das damals gemacht haben, machen wir das jetzt auch wieder“, ruft er aus. Danach will der Beifall nicht enden.

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