Die SPD im Wahlkampf : Steinbrück und Gabriel üben Schulterschluss

Parteikollegen schlagen und vertragen sich: Nach dem Führungsstreit der vergangenen Wochen in der SPD zeigten Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück am Wochenende traute Einigkeit.

Parteikollegen schlagen und vertragen sich.
Parteikollegen schlagen und vertragen sich.Foto: dpa

Drei Monate vor der Bundestagswahl haben SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück und Parteichef Sigmar Gabriel ihren Willen zum Schulterschluss bekundet. “Wir haben manchmal unterschiedliche Auffassungen über Art und Strategie des Wahlkampfes, aber wir sind in 99 Prozent aller inhaltlichen Fragen gleicher Meinung“, sagte Gabriel der “Bild“-Zeitung in einem Doppelinterview mit Steinbrück. Dieser fügte hinzu: “Wenn wir zwei uns fetzen, raufen wir uns auch schnell wieder zusammen.“

Gabriel hatte in einer Fraktionssitzung Teilnehmern zufolge eine Debatte über die Wahlkampfführung angestoßen. Daraufhin forderte Steinbrück in einem “Spiegel“-Interview Loyalität ein. Dies sei kein persönlicher Vorwurf an Gabriel gewesen, sagte Steinbrück nun. “Es ging mir um einen Weckruf. Die SPD muss wissen: In den letzten Monaten vor der Wahl müssen sich alle hinter der Kampagne und dem Kanzlerkandidaten versammeln.“ Gabriel erwiderte darauf: “So ist es.“ Steinbrück und Gabriel stellten ihre gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten als normal dar. Der Kanzlerkandidat sagte, er und der SPD-Vorsitzende hätten sich in den vergangenen neun Monaten zwei Mal angeblafft. Dies seien “reinigende Gewitter“ gewesen. Gabriel fügte hinzu, in so aufgeregten und anstrengenden Zeiten könne es auch mal rumpeln.

Einer Emnid-Umfrage im Auftrag der “Bild am Sonntag“ zufolge kommt die SPD unverändert auf 25 Prozent. Sie liegt damit 16 Punkte hinter der Union. Dasselbe Ergebnis hatte am Freitag eine Umfrage von Infratest dimap für die ARD ergeben. Damit machte sich Steinbrücks gemeinsamer Auftritt mit seiner Frau, bei dem er sich vor einer Woche auf offener Bühne zu Tränen gerührt zeigte, in den Umfragen nicht bemerkbar.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zeigte sich von den Umfragen unbeeindruckt. “Die Wahl wird nicht im Juni entschieden, sondern am 22. September“, sagte Nahles der Zeitung “Die Welt“. Der Wahlkampf beginne jetzt erst.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries beklagte im “Focus“ eine Negativ-Kampagne der Medien gegen den SPD-Kanzlerkandidaten. Steinbrück komme überall gut an, wo er direkt mit Leuten in Kontakt trete. “Aber die Medien haben sich jetzt nun einmal auf ihn eingeschossen“, erklärte die SPD-Politikerin, die Steinbrücks Kompetenzteam angehört. Sie rate Steinbrück, jetzt mehr auf den direkten Kontakt mit dem Wähler zu setzen. “Es bleibt uns jetzt nur noch Mundfunk statt Rundfunk.“ Die SPD müsse zudem bei der Vermittlung ihrer Inhalte in die Offensive. (Reuters)

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