• Die SPD-Kandidaten Vogt und Mosdorf wollen im März 2001 gegen den verbraucht wirkenden CDU-Regierungschef Teufel antreten

Politik : Die SPD-Kandidaten Vogt und Mosdorf wollen im März 2001 gegen den verbraucht wirkenden CDU-Regierungschef Teufel antreten

Bettina Wieselmann

Wenn es stimmt, dass es für eine als chancenlos geltende Oppositionspartei schon die halbe Miete ist, wenn sie überhaupt zur Kenntnis genommen wird - dann hat die Südwest-SPD plötzlich ziemlich gute Karten. Denn nun hat sie gleich zwei attraktive Bewerber um die Spitzenkandidatur für die baden-württembergische Landtagswahl im März 2001: Die beiden Bundestagsabgeordneten Ute Vogt (35) und Siegmar Mosdorf (48). SPD-Landeschefin und designierte Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses ist die eine, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium ist der andere. Und beide wollen sie volles Risiko gehen, sprich: sich um ein Landtagsmandat bemühen und auch die Oppositionsbank drücken, sollte Erwin Teufel mit den Liberalen weiterregieren können.

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als ob aus der Riege der vier, fünf immer wieder genannten Genossen sich keiner zum Jagen tragen lassen wollte. Mit erbärmlichen 25,1 Prozent war die SPD mit Wirtschaftsminister Dieter Spöri an der Spitze bekanntlich 1996 in hohem Bogen aus der Großen Koalition geflogen. Da gibt es vergnügungssteuerpflichtigere Aufgaben als gegen eine schier uneinnehmbare CDU-Bastion anzurennen.

Spätestens seit diesem Sonnabend aber gilt das alles nicht mehr. Ute Vogt und Siegmar Mosdorf haben ihre Hüte in den Ring geworden. Vor diese Alternative gestellt, sahen sich die Mitglieder der Findungskommission (zu der neben den Kandidaten unter anderem die Regierungsmitglieder Herta Däubler-Gmelin und Hans Martin Bury sowie Landtagsfraktionschef Ulrich Maurer zählen) außerstande, eine Empfehlung abzugeben. Der Landesvorstand wird nun am 17. Juni einen Vorschlag für den Parteitag Ende September machen. Einiges spricht dafür, dass Ute Vogt das Rennen für sich entscheidet. Den Segen aus Berlin hätte sie: Bundeskanzler Gerhard Schröder wie sein General Franz Müntefering schätzen die Pforzheimer Juristin. In der letzten Landtagswahl vor der Bundestagswahl 2002 wäre sie das personifizierte Kontrastprogramm zu Amtsinhaber Erwin Teufel: eine junge, frische Frau, mit sympathisch-natürlicher Ausstrahlung. Mit ihr, so das Kalkül der Parteistrategen, ließe sich eine Kampagne mit "Merkel-Effekt" fahren: Vogt steht für einen neuen Politikstil, der durch Offenheit Interesse weckt.

Der ebenfalls jugendlich wirkende Mosdorf versteht sich, professioneller, auch geschmeidiger in Szene zu setzen. Als Pfund wirft der nicht ungern Modernisierer Genannte in die Waage, sehr gute Beziehungen zu Wirtschaft und Kultur zu haben. In der Tat, ginge es allein darum, wer in die industrielle Kernregion Stuttgart mit ihren 2,6 Millionen Einwohnern passt, hätte Mosdorf die besseren Chancen. Doch das Zehn-Millionen-Land Baden-Württemberg ist groß, ein Landeskind wie die Badenerin Vogt vielen näher als der hörbar in Hamburg aufgewachsene Mosdorf.

Erwin Teufel jedenfalls hat keinen Grund, die möglichen Herausforderer zu unterschätzen. Zwar dürften die Wetten auf eine Veränderung der Machtverhältnisse im Landtag immer noch schlecht stehen. Doch der 60-jährige sieht sich bis in die eigenen Reihen mit wachsenden Zweifeln an seiner Person konfrontiert. Er wirkt nach über neun Amtsjahren verbraucht. Nicht, dass Teufel keine Erfolge vorzuweisen hätte, Banken, Rundfunkanstalten, Energieversorger hat er fusioniert, durch Privatisierungen dem Land Milliarden-Einnahmen verschafft. Doch Aufbruch, Erneuerung verbindet niemand mit dem Spaichinger, der seinen grauen Haaren erst dieser Tage einen allerlei Spott herausfordernden Rot-Ton verpassen ließ. Der SPD-Slogan steht schon fest: "Es ist Zeit."

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar