Politik : Die spinnen, die Amis (Meinung)

bm

Die Welt wirkt immer ein wenig seltsam, betrachtet man sie von Amerika aus. Die Perspektiven verkürzen sich, Berlin rückt an den Ural und Tokio an die chinesische Mauer. Deshalb lauern im transatlantischen Beziehungsgestrüpp ständig Fußangeln, deshalb kommen drüben in der Washingtoner Gegend immer wieder isolationistische Tendenzen auf. Soll der Rest der Welt doch seinen Kram allein machen! Eberhard Diepgen hat neulich diesen Nerv berührt, als er Botschafter Kornblum auf den Arm nahm, der den Scherz über die Burger-Bude anstelle einer neuen Botschaft ungefähr so komisch fand wie den Angriff auf Pearl Harbor. Deshalb ist nicht unbedingt zu begrüßen, dass sich in New York Donald Trump warmläuft für das Rennen auf das Weiße Haus. Der Immobilien-Tycoon ist zwar offenbar ein begnadeter Häuslebauer, aber kein wirklicher Kosmopolit, ja man könnte seine Ansichten über die Welt als recht holzschnittartig einstufen: Japaner, meint Trump, ziehen den USA das Geld aus der Tasche, die Saudis plündern sie per Erdöl aus, die illoyalen Franzosen sind "der schlimmste Partner, den wir je hatten", weil sie ihre Atombomben praktisch an jeden verscherbeln, und, ach, die Deutschen wollen die wirtschaftliche Kontrolle über die ganze Welt. Und, so wäre von hier aus zu ergänzen, die Amerikaner haben nicht immer alle Tassen im Schrank, was den geistigen Hintergrund ernsthafter Präsidentschaftsanwärter angeht. So! Das musste jetzt schnell noch einmal gesagt werden. Beim nächsten Mal schickt uns Präsident Trump nämlich sofort seine Cruise Missiles vorbei.

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