Politik : Die Sprache der Briefbomben

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Seit 2003 hat Italiens „Informale Anarchisten-Föderation“ bereits mehr als 30 Briefbombenanschläge verübt. Mit der „Kampagne Santa Claus“ machte sich die „Federazione Anarchica Informale“ im Advent 2003 bekannt. Sie schickte Briefbomben an EU-Einrichtungen, darunter Kommissionspräsident Romano Prodi und Hans-Georg Pöttering als Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, sowie an Europol. Ebenfalls an Weihnachten, vor einem Jahr allerdings, verschickte das lose Netzwerk von revolutionären und öko-terroristischen Gruppen einige Briefbomben an die Botschaften der Schweiz, Chiles und Griechenlands in Rom. Ein Schweizer Angestellter wurde beim Öffnen schwer verletzt.

Zuletzt explodierten Briefbomben am 31. März 2011 in einer Schweizer Firma für Atomenergie, in einerKaserne in Livorno sowie – von Florenz aus abgeschickt – in einem griechischen Gefängnis. Die Päckchen vom Format einer Videokassette waren meist mit Schwarzpulver aus Feuerwerkskörpern gefüllt und explodierten beim Herausziehen aus dem Umschlag.

Die italienischen Ermittler vermuten, das anarchistische Netz könnte aus bis zu 150 Personen in voneinander unabhängigen Zellen bestehen. In Bekennerschreiben wettern sie gegen die „Globalisierung der Macht“, fordern das „Ende aller Kriege“ und geben vor, das Andenken von Anarchisten retten zu wollen, die inhaftiert sind oder in Auseinandersetzungen mit der Polizei getötet wurden.

Nun hat die Gruppe den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ins Visier genommen. „Das war kein Sprengstoff, weder militärischer noch gewerblicher“, sagte ein Polizeisprecher. Das Pulver hätte beim Öffnen des Umschlags „aber mit Sicherheit gefährlich werden“ und Verbrennungen an Hand, Gesicht und Oberkörper verursachen können. „Ziel war es, eine Person zu schädigen.“ Möglicherweise sei das Pulver selbst hergestellt worden oder es stamme aus einem Feuerwerkskörper oder einer Vogelschreckpatrone. Ackermann ist einer der umstrittensten Bankchefs in Deutschland. Er steht seit neuneinhalb Jahren an der Spitze der Deutschen Bank. mit dpa

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