Politik : Die Stadt, die Polizei und das Gift

Thomas Migge

Auf der Karte sind alle römischen Wasserleitungen eingezeichnet. Beamte der Anti-Terrorpolizei fanden die Karte am Dienstagabend bei vier Nordafrikanern, die in einem Randbezirk der italienischen Hauptstadt verhaftet wurden. Die Karte beunruhigte viele Römer. Die vier Marokkaner waren festgenommen worden, weil sie angeblich einen Giftgasanschlag auf die US-Botschaft in Rom geplant hatten. Abgesehen von der Karte fand die Polizei in der Wohnung der vier Verdächtigen auch vier Kilogramm eines Giftstoffs. War es Zyanid? Die Befürchtung lautete daher: Die Marrokaner hätten das Gift in die Wasserversorgung kippen wollen.

Trotz des Funds war die Polizei vorsichtig bei der politischen Zuordnung der Verhafteten. "Wir fanden in der Wohnung der Verhafteten gefälschte Ausweisdokumente", sagte ein hoher Beamter, "aber keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass diese Männer mit Osama bin Laden in Verbindung gebracht werden müssen". Angeblich gehören sie der "salafitischen Gruppe" an, einer Abspaltung der algerischen Terrororganisation Gia. Man könne folglich nicht ausschließen, dass sich die Marokkaner der Al Qaida von Osama bin Laden nahe fühlen und in deren Auftrag ein Attentat vorbereiteten, hieß es.

Am späten Mittwochabend gab die Polizei Entwarnung: Der möglicherweise geplante Giftanschlag hätte kaum Schaden angerichtet. Der Giftgehalt der bei den Marrokanern beschlagnahmten Chemikalie - es war Ferrocyankalium - hätte nicht ausgereicht, um Gesundheitsschäden hervorzurufen, sagte Polizeichef Emilio del Mese.

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