Die Stellvertreter : Indien und Pakistan reden wieder miteinander

Vertreter Indiens und Pakistans besuchten auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung kürzlich Berlin und sprachen wieder miteinander – auch über ihre Einmischung im Afghanistankrieg.

Karin Schädler
Am Kojak-Pass staut sich der Verkehr. Die Passstraße unweit der Grenze zu Afghanistan ist die einzige Verbindung zwischen den pakistanischen Städten Chaman und Quetta.
Am Kojak-Pass staut sich der Verkehr. Die Passstraße unweit der Grenze zu Afghanistan ist die einzige Verbindung zwischen den...Foto: picture alliance / dpa

Ein entspannteres Verhältnis zwischen Indien und Pakistan würde auch Afghanistan entlasten. Aus Sicht mancher Experten spielt der indisch-pakistanische Konflikt gar eine Schlüsselrolle für die Lösung der Probleme in Afghanistan. Es ist also aufschlussreich, dass indische, pakistanische und afghanische Vertreter, die auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung kürzlich Berlin besuchten, das indisch-pakistanische Verhältnis leicht zuversichtlich beurteilen.

„Ich sehe jetzt viel mehr Licht am Ende des Tunnels“, sagt der indische Sicherheitsexperte Ashok Mehta. Sowohl in Indien als auch in Pakistan sehe er positive Entwicklungen, die sich auf die gegenseitigen Beziehungen auswirken: Es sei ein gutes Zeichen, dass die pakistanische Armee zum ersten Mal über längere Zeit zu einer zivilen Regierung hält. Und auch in Indien sei es positiv zu bewerten, dass Dialoginitiativen mit Pakistan mittlerweile große Unterstützung erhielten. „Ich habe also Hoffnung“, sagt Mehta. Leicht sind solche Gespräche mit indischen und pakistanischen Vertretern allerdings aufgrund der vielen Konflikte nicht. „Am Anfang haben sich alle nur angeschrien“, erinnert sich Faheem Dashty, Chefredakteur der afghanischen Wochenzeitung „Kabul Weekly“. Doch letztendlich hätten die vielen Dialogprojekte dann doch zu konstruktiven Gesprächen geführt.

Bedrohung für Kabul: Islamabad unterstützt die Taliban

Afghanistan leidet seit langem daran, dass dort Stellvertreterkriege anderer Länder ausgefochten werden. Nicht nur Russland und die USA, sondern auch die Staaten der Region haben immer wieder versucht, in Afghanistan Einfluss auszuüben, indem sie verschiedene militante Gruppen unterstützt haben. Die Situation in Afghanistan sei immer noch stark verbunden mit den Konflikten zwischen Indien und Pakistan, sagt Dashty. „Wenn die beiden sich näherkommen, kann Afghanistan davon profitieren.“

Nun sieht der afghanische Vertreter wie seine indischen und pakistanischen Kollegen in den indisch-pakistanischen Gesprächen eine Verbesserung – „Schritt für Schritt“. Davood Moradian, Mitarbeiter im afghanischen Außenministerium, gibt allerdings zu bedenken, dass die „Stellvertreter“, die Pakistan unterstützen, namentlich die Taliban, das größte Problem für Afghanistan seien, während er die indischen Aktivitäten dort begrüßt. Moradian wirft Pakistan vor, zwar die Taliban im eigenen Land militärisch zu bekämpfen, die afghanischen Taliban jedoch weiter zu unterstützen. Rahimullah Yusufzai, Chefredakteur der pakistanischen Zeitung „The News“, sagt, die pakistanische Unterstützung für die afghanischen Taliban werde derzeit aufgegeben. „Unsere größte Bedrohung ist nach wie vor Indien“, sagt Yusufzai. Nach Angaben von Experten hält sich Pakistan durch die Unterstützung der Taliban den Rücken frei – für den Konflikt mit Indien. Eine Strategie, die nicht mehr wirklich aufgeht, da die pakistanische Armee gleichzeitig gezwungen ist, gegen die Taliban im eigenen Land vorzugehen. Dafür mussten viele pakistanische Truppen an die West-Grenze verlegt werden.

Dass es trotz aller Konflikte eine leichte Verbesserung in den indisch-pakistanischen Beziehungen gibt, ist dem Experten Mehta zufolge den Dialoggesprächen zu verdanken, die zum Teil auch aus Deutschland unterstützt werden. Die Gespräche sind trotz einiger Widerstände auch direkt nach den Terroranschlägen von Mumbai vor drei Jahren weitergegangen.

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