Politik : Die Stinker des Mossad

Wie Israels Geheimdienst die Palästinenser ausspäht

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Tel Aviv. Dem berühmtberüchtigten israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad ist erneut eine peinliche Panne unterlaufen – und zwei seiner Agenten wurden auf frischer Tat in Neuseeland entdeckt und festgenommen. Zugleich feiert der vielfach kritisierte militärische Nachrichtendienst Triumphe. Denn ohne ihn und den Inlandsgeheimdienst Schabak wären die gezielten Tötungen der Hamas-Führung, namentlich zuletzt Scheich Ahmed Jassin und nun Abdel Asis Rantisi, nicht möglich gewesen. Ariel Scharon gratulierte denn auch auf der sonntäglichen Regierungssitzung den Agenten.

Verteidigungsminister Schaul Mofaz hatte am Donnerstag den Abschluss der Operation „Vorläufiger Erbe“ angeordnet: „Ich bitte darum, die Geschichte mit Rantisi bis Sabbat-Ausgang abzuschließen.“ Die Luftwaffe kam diesem Befehl relativ mühelos nach, denn die für den Einsatz bestimmten Kampfhubschrauber standen spätestens seit der Liquidierung Scheich Jassins rund um die Uhr bereit für die gezielte Tötung Rantisis. Mehrere Male waren in der Zwischenzeit auf persönlichen Befehl von Mofaz die bereits aufgestiegenen Maschinen zurückbeordert worden, weil Rantisi – so die Nachrichtendienstler – von einer Menge umgeben war, seine Tötung also auch viele unschuldige Opfer gefordert hätte.

Am wichtigsten für Israels Geheimdienst sind die „menschlichen Quellen“. Von den Palästinensern werden sie als „Kollaborateure mit dem zionistischen Feind“ gejagt, von den Israelis vielfach zur Spionage gezwungen und erpresst oder, falls sie nur aufs Geld aus sind, verachtend mit dem deutschsprachigen Ausdruck „Stinker“ bedacht. Technologisch hatten die israelischen Geheimdienstler die Verfolgung der Terror-Verdächtigen aus der Luft schnell im Griff. Es dauerte aber eine Weile, bis sie ihre Leute in der Umgebung der Hamas-Spitze gefunden oder platziert hatten. Seit ihnen dies trotz palästinensischen Todesurteilen gegen Verräter gelungen ist, ist ihre „Erfolgsquote“ stattlich: Rantisi ist das 168. Liquidierungsopfer seit dem 9. November 2000, also seit Beginn der Al-Aksa-Intifada.cal

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