Politik : "Die Strategie funktioniert"

INGRID MÜLLER,ARMIN LEHMANN

BRÜSSEL/BERLIN .Trotz der jüngsten zivilen Opfer nach Nato-Angriffen wird die Allianz bei ihrer militärischen Strategie bleiben: "Die Strategie funktioniert, erste Erfolge zeichnen sich ab", sagte der Sprecher des Nato-Oberkommandierenden in Europa, Oberst Freytag dem Tagesspiegel.In den letzten zehn Tagen seien von der Nato über 600 Panzer und Artilleriestellungen der Serben zerstört worden, zudem habe man rund 80 Flugzeuge abgeschossen.Die serbische Armee sei stark geschwächt worden.Als einen Erfolg der Nato-Strategie sieht Freytag auch an, daß "die Vertreibung der Kosovo-Albaner verlangsamt worden ist".

Nach Nato-Angriffen auf eine Brücke südlich von Belgrad und auf die südserbische Ortschaft Surdulica sind am Sonntag und Montag nach jugoslawischen Medienberichten insgesamt mindestens 22 Zivilisten getötet worden.Nato-Sprecher Jamie Shea sagte in Brüssel, in beiden Fällen habe es sich nicht um Fehltreffer, sondern um "legitime militärische Ziele" gehandelt.Freytag sagte dem Tagesspiegel: "Wir haben gezielt die Brücke bekämpft, und wir haben sie genau getroffen.Wir wissen nichts über zivile Opfer, weil wir nicht dort sind."

In Surdulica, wo nach Angaben des serbischen Staatsfernsehens in einem Sanatorium elf Menschen getötet und 37 teilweise schwer verletzt wurden, sei das Ziel eine Armeekaserne gewesen.Die Nato bestritt am Montag, für den Beschuß eines Sanatoriums in Surdulica verantwortlich zu sein.Nach serbischen Angaben war am Sonntag zudem ein Autokonvoi ausländischer Journalisten von einer Nato-Rakete getroffen worden.Ein Sprecher des britischen Außenministeriums in London bestätigte die Verletzung der "Times"-Mitarbeiterin Eve-Ann Prentice bei einem Raketeneinschlag.Nicht bestätigen wollte er, daß die Rakete von der Nato abgefeuert wurde.Die Allianz konnte zu dem Vorfall keine Angaben machen.

Nato-Kampfflugzeuge sind nach eigener Darstellung am Sonntag und in der Nacht zum Montag mit 415 die bisher höchste Zahl gezielter Angriffe innerhalb von 24 Stunden geflogen.Davon waren 323 Bombenangriffe, 92 Flüge galten der Flugabwehr.Zu den Zielen gehörten wieder Versorgungs- und Kommunikationseinrichtungen sowie Munitionslager.

Nach Informationen der Organisation Reporter ohne Grenzen sind im Kosovo-Krieg bislang mindestens zwölf Medienmitarbeiter getötet worden."Wieviele ihr Leben verloren haben, wissen wir aber nicht", sagte die Geschäftsführerin der deutschen Sektion der Menschenrechtsorganisation, Barbara Petersen, dem Tagesspiegel.Gesichert sei, daß beim Nato-Angriff auf die Pekinger Botschaft in Belgrad drei chinesische Journalisten starben und acht Mitarbeiter beim Angriff auf den Fernsehsender RTS umkamen.Am 11.April wurde der Chefredakteur der Zeitung "Dnevny Telegraph" auf offener Straße erschossen, nachdem ihn ein regierungstreues Blatt als Verräter bezichtigt hatte.Für alle Journalisten im Kosovo und dem übrigen Jugoslawien sei die Situation zum Teil lebensbedrohlich.Ein großer Teil der Kollegen sei daher in den Untergrund gegangen, viele seien im Exil, eine Reihe aber auch zwangsrekrutiert worden, so Petersen.

Die aktuellen serbischen Berichte über Angriffe auf einen Journalistenkonvoi wollte Petersen zunächst nicht kommentieren."Wir haben über den Vorfall keine gesicherten Informationen.Und wir haben die Erfahrung gemacht, daß Informationen von beiden Seiten beliebig benutzt werden können.Wir wissen nicht einmal, wie der Journalisten-Konvoi ausgesehen haben soll." Zunächst sollen eigene Leute befragt werden.

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