Politik : Die Suche geht weiter

Die USA wollten in Pakistan den Al-Qaida-Vize treffen – wie andere Terroristen bleibt er flüchtig

Frank Jansen

Berlin – Die Amerikaner sind bereit, viel Geld zu investieren, um gesuchte Anführer der islamistischen Terrorszene in die Hände zu bekommen. Doch der Erfolg ist begrenzt. Die Chefs der Al Qaida zum Beispiel befinden sich auch nach Angriffen wie jenem vom Samstag noch immer auf freiem Fuß. Auf den Kopf des Ägypters Aiman al Sawahiri haben die Amerikaner 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Die gleiche Summe würde für die Ergreifung von Osama bin Laden und des Statthalters von Al Qaida im Irak, Abu Mussab al Sarkawi gezahlt. Die drei gelten als die am meisten gesuchten Terroristen der Welt.

Sawahiri und bin Laden sind nach Meinung von Experten allerdings von ihren Verstecken im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aus kaum noch in der Lage, Anschläge zu dirigieren. Vor allem Sawahiri versucht jedoch mit Video- und Tonbotschaften, Al Qaida als eine Art Terror-Holding zu präsentieren. Nach spektakulären Anschlägen militanter Islamisten, wie im Juli 2005 in London, stellt sich Sawahiri als Pate der Attentäter dar und droht dem Westen.

Der Jordanier Abu Mussab al Sarkawi hat sich Al Qaida angeschlossen, führt aber seinen brutalen Feldzug im Irak auf eigene Faust. Im vergangenen Jahr kritisierte Sawahiri in einem Brief an Sarkawi dessen Methoden, vor allem die Anschläge auf irakische Schiiten. Sarkawi konnte den US-Truppen und irakischen Sicherheitskräften mehrmals entkommen. Zur Tarnung nutzt er unter anderem Theaterschminke, die von Unterstützern aus Europa in den Irak gebracht wird. Im Jahr 2004 soll Sarkawi kurzzeitig festgenommen worden sein, doch die irakischen Polizisten erkannten den Terroristen nicht und ließen ihn frei.

Der Ägypter Saif al Adel, einer der Militärchefs der Al Qaida, hält sich vermutlich im Iran auf. Ob er dort festgehalten wird oder sich frei bewegen kann, ist unklar. Die Amerikaner haben auf seinen Kopf fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Al Adel soll die verheerenden Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 mitorganisiert haben.

Ein islamistischer Terrorist, der nicht zum Al-Qaida-Netz zählt und trotzdem als einer der gefährlichsten weltweit gilt, wird auch vergeblich gesucht. Es handelt sich um Imad Fayez Mugniah, nach Ansicht der Amerikaner der Chefplaner verheerender Anschläge im Auftrag der schiitisch-libanesischen Terrororganisation Hisbollah. Mugniah soll für die monströsen Attentate auf die Hauptquartiere amerikanischer und französischer Truppen 1983 in Beirut verantwortlich sein. Mugniah wird auch die Entführung einer US-Passagiermaschine 1985 und der schwere Anschlag auf ein jüdisches Sozialwerk in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires 1994 angelastet. Für die Ergreifung Mugniahs haben die USA fünf Millionen Dollar ausgelobt.

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