Politik : Die Terror-Miliz kündigt den Kampf gegen internationale Friedenstruppen an

Während den Flüchtlingen eine Hungersnot droht, wurde das UN-Hauptquartier in Dili evakuiert - und dann geplündert

Während bei den Vereinten Nationen fieberhaft die Entsendung einer Friedenstruppe nach Ost-Timor vorbereitet wird, geht das Morden in der nach Unabhängigkeit von Indonesien strebenden früheren portugiesischen Kolonie weiter. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR äußerte sich am Dienstag "äußerst alarmiert" über die Berichte aus Ost-Timor, wo pro-indonesische Milizen und das Militär eine Terrorherrschaft ausüben. Angesichts des anhaltenden Gewalt wurde die UN-Mission in der Hauptstadt Dili evakuiert. Auch die 1500 sich in der Mission aufhaltenden Flüchtlinge wurden ausgeflogen. Kurze Zeit später stieg Rauch über dem Gelände auf, was den Verdacht nahelegte, dass die marodierenden Banden das Gebäude in Brand gesteckt haben.

Der Weltsicherheitsrat ist unterdessen am Dienstag zu kurzfristig angesetzten Beratungen über die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe zusammengetreten. Nach Angaben von Diplomaten wird eine von Großbritannien eingebrachte Resolution verabschiedet. Sie sieht für die Truppe einen Einsatz nach Kapitel VII der UN-Charta vor, wonach Maßnahmen auch gegen den Willen der Betroffenen möglich sind.

Der Sprecher von Generalsekretär Annan, Eckhard, und der australische Verteidigungsminister Moore erklärten übereinstimmend, dass die ersten Soldaten Ende der Woche in Ost-Timor sein könnten. Ungeklärt ist noch, ob der Sicherheitsrat den Plan für eine massive australische Beteiligung an der Truppe akzeptiert.

Derweil haben pro-indonesische Milizen bewaffneten Widerstand gegen eine internationale Friedenstruppe angekündigt. Der stellvertretende Kommandeur einer Milizen-Koalition, Carvalho, sagte am Dienstag der indonesischen Nachrichtenagentur Antara, die para-militärischen Einheiten kämpften darum, dass Ost-Timor auf jeden Fall indonesisch bleibe. "Es gibt für uns keinen anderen Weg, als mit allen Mitteln zu kämpfen."

In Jakarta demonstrierten am Dienstag rund 1000 Studenten gegen das Vorgehen der Militärs in Ost-Timor. Sie forderten den Rücktritt von Präsident Habibie. Außerdem müsse sich das Militär endlich aus der Politik zurückziehen. Zuvor hatten 200 nationalistische Studenten gegen ausländische Einmischung in Ost-Timor protestiert.

Habibie sicherte in einem Telefongespräch mit dem designierten EU-Kommissionspräsidenten Prodi die uneingeschränkte Unterstützung seiner Regierung für die UN-Friedenstruppen zu. Die ausländische Presse solle ungehinderten Zugang zu der Provinz bekommen. Die Kommission will insgesamt acht Millionen Euro (rund 16 Millionen Mark) an humanitärer Hilfe für Ost-Timor bereitstellen.

Mehr als 200 000 Flüchtlingen droht nach UN-Schätzungen eine Hungersnot. Nach Angaben von Hilfsorganisationen ernähren sich viele Menschen in den Wäldern nur noch von Blättern und Wurzeln. Der australische Ministerpräsident Howard kündigte an, ab Donnerstag Hilfsgüter über Ost-Timor abzuwerfen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte in Genf mit, zwei Mitarbeiter seien nach Dili zurückgekehrt. Sie sollen eine Rückkehr des Roten Kreuzes nach Ost-Timor vorbereiten.

Juristen aus aller Welt bereiten sich vor, Aussagen von Flüchtlingen aufzunehmen, um Belege für Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Völkermord in Ost-Timor zu sammeln, teilte am Dienstag Richter Dowd mit, der Präsident der australischen Sektion der Internationalen Kommission der Juristen.

Bischof Belo erklärte am Diesntag, er wolle nach Dili zurückkehren, sobald eine internationale Friedenstruppe einrücke. Pressemeldungen zufolge, er habe die Ost-Timorer zum bewaffneten Kampf aufgerufen, bezeichnete er als verfälscht. Er habe lediglich von einem legitimen Recht auf Selbstverteidigung bei bewaffneten Angriffen gesprochen. Belo bat unterdessen Papst Johannes Paul II., sich bei US-Präsident Clinton für die sofortige Entsendung einer internationalen Friedenstruppe nach Ost-Timor einzusetzen. Der Papst habe ihm dies zugesagt. Derweil erwartet die Deutsche Bischofskonferenz nächste Woche in Fulda den ost-timorischen Bischof als Gast.
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