Politik : Die Uniform denkt mit

Amerikas Forscher rüsten mit Hilfe der Nanotechnologie den Soldaten der Zukunft aus

Malte Lehming

Die Uniform ist federleicht, kann Wunden heilen, entdeckt chemische und biologische Vergiftungen, außerdem ist sie mit Sensoren ausgestattet, die der Armeezentrale jederzeit Aufenthaltsort und Gesundheitszustand des Soldaten mitteilen. Zukunftsmusik? Vielleicht nicht. Am renommierten „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) in Cambridge beginnt in wenigen Wochen das „Institute for Soldier Nanotechnologies“ mit der Forschung. 50 Millionen Dollar lässt sich das US-Verteidigungsministerium das Projekt kosten, weitere 40 Millionen steuert die Industrie bei.

Nanotechnologen arbeiten mit Molekülen und Atomen. Sie versuchen, Maschinen zu entwickeln, die hoch effektiv, aber zu klein fürs menschliche Auge sind. Einige glauben, diese Technologie werde eine neue Epoche einleiten. Berührungsängste zwischen Wissenschaft und Militär gab es in den USA beim Wettbewerb um die Forschungsgelder nicht. Das MIT ist stolz darauf, den Zuschlag erhalten zu haben. Das neue Institut ist auf 9000 Quadratmetern in einem eigenen Gebäude untergebracht, es arbeitet eng mit zwei Krankenhäusern zusammen und hat 150 Mitarbeiter. Sie alle haben nur ein Ziel – den „Soldaten der Zukunft“ zu schaffen. Mit Hilfe der Nanotechnologie, glaubt der künftige Direktor, könnten bald menschliche Energien gespeichert und Muskelkräfte gesteigert werden. „Was glauben Sie, wie der Gegner guckt, wenn unser Soldat aus dem Stand über eine sieben Meter hohe Mauer springt?“

Schon heute verfügt die US-Armee über hypermodernes Gerät. Einer mobilen Einsatzleitung werden per Computer die von Satelliten überspielten Angriffsziele übermittelt. Waren im ersten Golfkrieg lediglich sieben Prozent der Waffen präzisionsgesteuert, würden es in einem zweiten Golfkrieg achtzig Prozent sein. Der allerneueste „Longbow-Apache“-Hubschrauber ist in der Lage, 16 lasergesteuerte Raketen in Zwei-Sekunden-Abständen abzufeuern.

Doch selbst die beste Technologie lässt sich überlisten. Bei der Schlacht um Tora Bora gelang Osama bin Laden die Flucht offenbar mit Hilfe eines simplen Tricks. Sein Handy, das die Amerikaner überwachten, gab er seinem Leibwächter, der aus Ablenkungsgründen ständig damit telefonierte. Und während die US-Armee einen treuen Vasallen jagte, ritt der Terrorfürst auf einem Esel übers Gebirge nach Pakistan.

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