DIE VIELEN NAMEN DER MINDERHEIT : Leute aus Sindh

Sinti ist der Name der seit etwa 600 Jahren in Deutschland lebenden Angehörigen der Minderheit. Das Wort galt lange als eine Ableitung von „Sindh“, der Ursprungsregion der Minderheit im Nordwesten Indiens, aus der die Vorfahren der Sinti und Roma kamen, heute eine der vier Provinzen Pakistans. Der britische Linguist Yaron Matras hält es jedoch im Lichte von Untersuchungen aus dem späten 18. Jahrhundert für viel wahrscheinlicher, das es sich um einen Tarn- oder Spitznamen handelt, der erst spät in Deutschland entstand und dem Unterschichtenslang Rotwelsch entstammen könnte. Roma wanderten später als die Sinti, nämlich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, vom Balkan nach Deutschland ein. Das Wort „Rom“ kommt aus der Sprache, die die Sinti und alle übrigen Gruppen der weit verzeigten Minderheit – bei allen Unterschieden der Dialekte – gemeinsam haben: aus dem Romani oder Romanes. „Rom“ bedeutet „Mann“, auch „Ehemann“, und ist heute auch der gemeinsame Name aller Angehörigen der Minderheit. Es bezeichnet deutsche Sinti und Roma ebenso wie die Manouches in Frankreich, die Kalé in Spanien und Portugal, die Kalderasch, die ursprünglich in Rumänien siedelten, nun aber überall in Südosteuropa leben, oder die britischen Gypsies. „Gypsy“ entspricht dem früher im Deutschen verbreiteten Wort „Ägyptier“. Die Ursprünge der Minderheit wurden nämlich lange in Ägypten vermutet. ade

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