Politik : Die Vision rauchender US-Botschaften

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Von Frank Jansen

Rechtfertigt die von Jürgen Möllemann geführte Deutsch-Arabische Gesellschaft (DAG) den Terror gegen die USA? Im Internet gibt der Verein, dem zahlreiche arabische Diplomaten angehören, auf seiner Homepage die Attacke eines Leserbriefschreibers wieder – und macht sie sich zu eigen. „Da der Irak gegen das Arsenal der USA und der Briten nicht antreten kann, wird er zuschlagen, wo es wirklich wehtut: Wir werden in Zukunft rauchende US-Botschaften sehen“, schreibt ein Wolfgang Kluge. „Dies ist eine ganz logische Konsequenz, und den Schuldigen müssen wir dann wohl im Weißen Haus suchen“. Die Deutsch-Arabische Gesellschaft zitiert dies „statt eines eigenen DAG-Kommentars“.

Die antiamerikanischen Ausfälle des Wolfgang Kluge präsentiert die Deutsch-Arabische Gesellschaft offenbar schon seit Februar 2001. Der Autor hatte seinen Beitrag an das Diskussionsforum des „Spiegel“ geschickt, wenige Tage nach einem amerikanisch-britischen Luftangriff auf den Irak. Die Deutsch-Arabische Gesellschaft übertrug aus den mehr als 300 Zuschriften nur Kluges Schreiben und das ähnliche Pamphlet eines „Bushi“ auf die eigene Homepage.

Bedenken, es könnten Sympathien für antiamerikanischen Terrorismus geschürt werden, hatte die DAG offenbar nicht – obwohl 1998 bei den schweren Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania insgesamt 257 Menschen ums Leben kamen und mehr als 5000 verletzt wurden. Auch die Bilder des 11. September, als in New York das World Trade Center und in Washington das Pentagon in Flammen standen, haben bei der Deutsch-Arabischen Gesellschaft keinen Prozess des Nachdenkens über Vokabeln wie „rauchende US-Botschaft“ ausgelöst.

Deutsche und Amerikaner reagieren empört. „Das ist ja grauenhaft“, heißt es in Berliner Regierungskreisen. „Was da steht, ist ungeheuerlich“, sagt ein langjähriger US-Beobachter der deutschen Politik, der ntlich nicht genannt werden möchte. „Das ist eine Rechtfertigung des Terrorismus und bestätigt die Sorge der USA, dass es in Europa gefährliche Tendenzen gibt.“

Jürgen Möllemann ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dem Vizepräsidenten der Gesellschaft, Joachim Hörster, sind die Einträge auf der Homepage peinlich. „Das sind brutal antiamerikanische Attacken“, gibt der CDU-Bundestagsabgeordnete zu, „ich bin ziemlich verärgert“. Gewusst habe er davon nichts. Das sagt auch Generalsekretär Harald M. Bock, FDP-Mitglied wie Jürgen Möllemann. Und verdächtigt „die Journaille“, es werde etwas „gegen Möllemann gesucht“. Außerdem sei die Irak-Politik der Regierung von George W. Bush „unreflektiert und verlogen“. Doch dämmert Bock, „das ist eine unangenehme Situation für mich“. Er werde die Leiterin der DAG-Geschäftsstelle in Berlin veranlassen, dass die Zitate von der Homepage entfernt werden. Anschließend will Bock „einen Ausdruck des Bedauerns“ in die Website setzen.

Wer hat nun bei der Deutsch-Arabischen Gesellschaft „statt eines eigenen Kommentars“ die rauchenden US-Botschaften prophezeit? Geschäftsstellenleiterin Heike Rieger weicht aus, „das kann ich nicht sagen, wir haben auch studentische Hilfskräfte“. Erfährt denn die Führung der DAG, was in ihrem Namen im Internet verbreitet wird? „Natürlich wird das mit Herrn Bock abgesprochen“, sagt Rieger. Bock räumt sich auch selbst Platz auf der Homepage ein. So meldete er sich, als die Bundesregierung den USA nach dem 11. September „uneingeschränkte Solidarität“ zusagte. Bocks Kommentar: „Gerhard Schröder gebührt der zweifelhafte Verdienst, die Suche nach dem Unwort des Jahres erleichtert zu haben“.

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