Politik : Die Visitenkarte in der Brieftasche verriet ihn

Indonesiens Polizei verdächtigt Deutschen der Al-Qaida-Kontakte

Moritz Kleine–Brockhoff[Jakarta]

Von Moritz Kleine–Brockhoff,

Jakarta

Der im September in Jakarta verhaftete Deutsche Reda S. stand nach Angaben der indonesischen Polizei mit einem indonesischen Terroristen in Verbindung. „Wir haben in seiner Brieftasche die Visitenkarte von Agus Dwikarna gefunden“, sagte Aryanto Sutadi, Ermittler bei der indonesischen Polizei. Agus Dwikarna ist auf den Philippinen wegen der Vorbereitung von Bombenattentaten zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Die deutsche Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Reda S. seit September auf der Basis des neu geschaffenen Anti-Terror-Paragrafen 129b. Das bestätigte am Montag eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft dem Tagesspiegel. Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes haben Reda S. schon in Indonesien verhört. Er soll der indonesischen Polizei zufolge ausgesagt haben, er könne sich nicht erklären, wie die Karte in sein Portemonnaie gekommen sei.

Agus Dwikarna, dessen Visitenkarte bei S. gefunden wurde, soll ein Kommandant der indonesischen „Laskar Jundullah Miliz“ gewesen sein. Sie kämpft für die Vertreibung von Christen, die sich auf von Moslems besiedelten Inseln niedergelassen haben. Die Gruppe hatte nach der Erkenntnis von Sicherheitsbehörden auf der indonesischen Insel Sulawesi ein Trainingslager eingerichtet. Hier sollen Terroristen des Al-Qaida-Netzwerks aus aller Welt trainiert haben, darunter auch Philippinos. Dwikarna war im März dieses Jahres auf einem philippinischen Flughafen festgenommen worden. Sicherheitskräfte hatten in seinem Koffer Plastiksprengstoff und Zündkabel gefunden, wie die „Washington Post“ berichtete. Er soll enge Verbindungen zu vielen der im südostasiatischen Raum aktiven Islamistengruppen gehabt haben.

Der 42-jährige Deutsche Reda S., der ägyptischer Herkunft ist, hatte versucht, sich mit einem gefälschten Journalistenausweis einen Aufenthaltsstatus zu erschleichen. Dabei war er ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Er war wochenlang beschattet worden und dann von Mitarbeitern der Einwanderungsbehörde und zweier Geheimdienste festgenommen worden. Gleich danach hatten ihm die indonesischen Behörden Verbindungen zu Omar al-Faruq vorgeworfen. Al-Faruq, ein 31-Jähriger aus Kuwait, soll der höchste Repräsentant von Osama bin Laden in Südostasien gewesen sein. Anfang Juni war er in Indonesien festgenommen und in einer Nacht- und Nebel-Aktion an den amerikanischen Geheimdienst CIA übergeben worden. Die Verbindungen von S. zu einem weiteren Top-Terroristen, Agus Dwikarna, wird seine Lage in Jakarta nicht leichter machen.

Bisher war bekannt, dass Reda S. in Deutschland eine Frau und ein Kind hat. Nach Informationen des Tagesspiegels soll der Moslem auch mit einer Albanerin verheiratet sein, mit der er vier Kinder hat. Offensichtlich sind die deutschen Sicherheitsbehörden sehr an Reda S. interessiert. Generalbundesanwalt Kay Nehm leitet die Ermittlungen. Seine Sprecherin sagte, es gebe bis zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Erkenntnisse, dass Reda S. mit den Anschlägen auf Bali in Verbindung gebracht werden könne.

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