• Die Vogelgrippe ist in Europa angekommen EU: Viren in der Türkei auch für Menschen tödlich

Politik : Die Vogelgrippe ist in Europa angekommen EU: Viren in der Türkei auch für Menschen tödlich

Trittin hält Deutschland für vorbereitet

Maren Peters[Berlin],Thomas Seibert[Istanbul]

Die Vogelgrippe rückt näher. Am Donnerstag bestätigte die EU-Kommission in Brüssel, dass die auf einer Geflügelfarm im Nordwesten der Türkei gefundenen Vogelgrippeviren auch für Menschen tödlich sind. Damit ist das gefährliche H5N1-Virus in Europa angekommen. „Wir nehmen das mit großer Besorgnis zu Kenntnis“, sagte Verbraucherschutzminister Jürgen Trittin (Grüne) in Berlin. Zum jetzigen Zeitpunkt müsse aber niemand in Deutschland befürchten, an Vogelgrippe zu erkranken. Bayern und Brandenburg planen dennoch, die Vorsorge auszuweiten. Bereits am Vortag hatte ein Krisenstab aus Bund und Ländern angekündigt, die Kontrollen an Flughäfen, auf Autobahnen und an den Grenzen zu verstärken. „Wir sind vorbereitet“, sagte Trittin.

Die EU-Kommission warnt nun vor einer weltweiten Grippe-Epidemie, der Millionen Menschen zum Opfer fallen könnten. Dazu müsste es dem Virus aber erst gelingen, sich so zu verändern, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Nach Angaben der Kommission ist bei den in der Türkei verendeten Vögeln der Erreger diagnostiziert worden, der in Asien seit 2003 nicht nur Millionen Vögel, sondern auch 60 Menschen getötet hat. „Es besteht ein direkter Zusammenhang zu in Russland, der Mongolei und China gefundenen Viren“, sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. Die EU bestätigte auch den Vogelgrippeverdacht in Rumänien, nachdem sie am Vortag Entwarnung gegeben hatte – eine Entscheidung, die Trittin kritisierte. „Es wäre klüger gewesen, noch einen Tag abzuwarten“, sagte er.

Für die Verbreitung des Virus stellten Zugvögel nach Angaben Trittins nur ein geringes Risiko dar. „Es gibt in dieser Jahreszeit keinen Vogelzug von der Türkei oder Rumänien nach Deutschland.“ Ein größeres Problem seien illegale Tiertransporte, Schmuggel und unvorbereitete Reisende. Geflügel aus der Türkei und Rumänien darf nicht mehr in die EU eingeführt werden. Nach Angaben Trittins hat der Zoll angekündigt, mobile Kontrollen an den Flughäfen auszuweiten. Jetzt seien die Länder gefordert, Veterinäre zur Verfügung zu stellen.

Noch offen ist derzeit, ob Geflügelhalter bundesweit gezwungen werden, Freilandhühner in die Ställe zu sperren. Dies fordern Bauernverband und Geflügelwirtschaft. Über eine entsprechende Eilverordnung wollte die Regierung noch im Laufe des Donnerstags entscheiden.

Ungeachtet der hektischen Vorbereitungen schätzen Experten das Übertragungsrisiko für Menschen noch als gering ein. Das Virus wird nur durch direkten Kontakt mit kranken Vögeln übertragen. Das für Infektionskrankheiten zuständige Robert-Koch-Institut in Berlin warnte vor Panikmache. „Die Vogelgrippe ist eine Geflügelkrankheit, die nur in sehr seltenen Fällen beim Menschen auftritt“, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel.

In der Türkei dagegen brach Panik aus. Das Gesundheitsministerium in Ankara bemühte sich zwar, die Bevölkerung zu beruhigen. Es gebe genügend Medikamente im Land. Doch die Öffentlichkeit ist alarmiert. Überall werden plötzlich tote Vögel gefunden. Die Apotheken erleben einen Ansturm auf das Grippemittel Tamiflu – mehr als die Hälfte aller Packungen in der Türkei wurde innerhalb weniger Tage verkauft. Kizikca, wo das Virus entdeckt wurde, steht seit dem Wochenende unter Quarantäne.

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